Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 297 (sequence 8)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 297 Folgendes berichtet: „Da v. Derenthall den Beweis der Wahrheit, daß der Plivatkläger mehrfach gelogen habe, führen wollte, mußte die vorige Verhandlung zwecks Zeugenladung vertagt werden. Nachdem ein Antrag Krösells auf Ladung neuer Zeugen abgelehnt worden, wurde die Aussage des kommissarisch vernommenen Konsistorialpräsidenten Richter verlesen. Dieser hat erklärt: Krösell habe bei dem Konsistorium nicht um die Genehmigung gebeten, für den Reichstag zu kandidieren. Einer solchen Genehmigung habe es auch nicht bedurft. Der ebenfalls kommissarisch vernommene Superintendent Friedemann (Wartenberg) hat bekundet, Krösell habe in einer Wählerversammlung gesagt, Hofprediger Stöcker, mit dem er eine längere Unterredung gehabt, wünsche seine Wahl. Er habe darauf bei Hofprediger Stöcker schriftlich angefragt, Stöcker habe aber bestritten, mit Krösell über Politik gesprochen zu haben. Freiherr v. Wangenheim bekundet als Zeuge, sich weder für die Wahl Krösells ausgesprochen, noch seine Leute aufgefordert zu haben, die Versammlung von Krösell zu besuchen und für Krösell zu stimmen, vr. meä. Schütz- Freienwalde bekundet, daß Krösell auf die Frage, von wem er eine gewisse Aeußerung gehört, gesagt, daß er diese von dem Gastwirt Linke gehört, daß dieser aber die Richtigkeit dieser Angabe bestritten habe. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Coster, erklärt, er beantrage, wegen des Ausdrucks „Lügner" auf Freisprechung zu erkennen, da durch die Verhandlung bewiesen sei, daß der Privatkläger viermal gelogen habe. Der Ansdruck „Schweinhund" sei ja eine Beleidigung, allein einmal werde behauptet, daß v. Derenthall den Ausspruch nur in hypothetischer Form und in der Erregung getan habe. Andererseits gehe aus dem sozialdemokratischen „Stettiner Volksboten" hervor, daß Krösell wegen seiner intimen Beziehungen zu seiner Hausdame in der Redaktion des Dolksboten antichambriert und um „gut Wetter" gebeten habe mit der Versicherung, daß er die Sozialdemokratie nicht angreifen werde. Dem Mechaniker Kleinmichel in Pyritz habe Krösell versprochen, ihm ein Fahrrad abzukaufen, wenn er seine Parteigenoffen veranlasse, in der Stichwahl für ihn zu stimmen. Endlich wies der Verteidiger auf einige Prozesse hin,, die Krösell mit seiner Schwester geführt habe. Dies müsse bei der Abwägung des Strafmaßes berücksichtigt werden. Der Privatkläger Krösell suchte den Nachweis zu führen, daß eine Lüge ihm in keiner Weise nachgewiesen sei. Wenn die von ihm vorgeschlagenen Zeugen vernommen worden wären, dann würde bewiesen worden sein, daß er niemals gelogen habe. Er sei allerdings einmal bei der Redaktion des Stettiner Volksboten gewesen und habe mit dem Redakteur Faber unterhandelt. Daß er nicht mit