Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 296 (sequence 7)
- Language
- German
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296 Im deutschen Reich. worden. Spaziergänger, die sich auf dem Wege von der Station. Grunewald nach Schildhorn befanden, erblickten abseits des Fußsteiges im Gehölz einen Pappkarton, der verschnürt war. Sie öffneten ihn und entdeckten darin zwei Arme und ein Bein von einem kleinen Kinder die Gliedmaßen waren regelrecht vom Körper abgetrennt. Der geheimnisvolle Fund wurde von den Waldbesuchern an einen Gendarmen abgeliefert und von diesem nach der Leichenhalle des Friedhofs bei Schildhorn geschafft. Zur Untersuchung des rätselhaften Falles war bereits eine Kommission des Landgerichts II im Forst. Man vermutet, daß die übrigen Körperteile des Kindes anderswo beiseite geschafft worden sind, und daß die Zerstückelung des Körpers vorgenommen wurde, damit man sich desselben desto leichter und unauffälliger entledigen könne. Trotz eifriger Nachforschungen im Walde haben Gendarmen und Forstbeamte andere Körperteile des Kindes bisher nicht entdecken können." — Die Lustmörder und die Kindesmörderinnen haben allen Grund, jenen Berichterstattern zu danken, welche durch irreführende sensationelle Darstellungen die Arbeit der Untersuchungsbehörden erschweren und dadurch den Verbrechern es erleichtern, der strafenden Gerechtigkeit zu entgehen! Erfreulicherweise wird kn den „Deutsch-Sozialen Blättern" darüber geklagt, daß „die Zahl der sich rückhaltslos zum politischen Antisemitismus bekennenden Akademiker verhältnismäßig gering" sei und davor gewarnt, die Erwartungen für die Zukunft allzu hoch zu spannen. Die Erfahrungen, die beispielsweise mit dem „Verein deutscher Studenten" auf parteiantisemitischer Seite gemacht seien, zwängen zu Zurückhaltung. Der Landbündler Diedrich Hahn sei nahezu der einzige Streiter, den der „Verein deutscher Studenten" „als nationalen Kämpen in die politische Arena" entsandt habe. Mit den Gerlach und Heine, dem Pfarrer Naumann und anderen könne der „Verein deutscher Studenten" wenig Staat machen. Die „Deutsch-sozialen Blätter" klagen darüber, daß der harmlose Salon- Antisemitismus, weil Mode, in akademischen Kreisen mitgemacht werde, Partei-Antisemit sein aber als pöbelhaft gelte. Seitens der Korps werde gegenüber den Angehörigen der unteren Stände eine vornehm sein sollende Zurückhaltung beobachtet, die ans Mandarinenhafte grenze. Dem „Berliner Tageblatt" wurde über die bereits einmal vertagt gewesene Verhandlung in dem Beleidigungsprozeß Krösells gegen den Rittergutsbesitzer von Derenthall-Korkow, die vor dem Schöffengericht in Stargard i. P. am 21. v. Mts. stattfand,