Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 294 (sequence 5)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. 20 t ein kleiner. Fortschritt. Der Zurückgewiesene hatte sich aber inzwischer schon bei einem anderen Regiment gemeldet und war dort angenommen worden. Der Hauptmann, der ihn zurückgewiesen hatte, soll nun aber nicht einmal antisemitisch gesinnt sein, sodaß es unaufgeklärt bleibt, wodurch er sich zu der ablehnenden Antwort bestimmen ließ." Eingehend widerlegte Pros. Eickhoff die Behauptungen des Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg, die dieser in der Reichstagsverhandlung im Anschluß an eine angebliche Statistik aus dem Jahre 1885 über die Militärtauglichkeit der Juden ausgestellt hatte. Tatsache sei, daß an dem Kriege von 1*70/71 15 000 jüdische Soldaten beteiligt gewesen seien. Man mache den Juden zum Vorwurf, daß sie sich gern vom Militärdienst befreien. Derselbe treffe aber doch in gleicher Weise die christliche Bevölkerung. Die gegenwärtigen Verhältnisse verlangen gebieterisch von jedem liberalen Manne, ganze Arbeit zu machen. Hoffentlich sei die Zeit nicht mehr fern, wo die Worte Kaiser Friedrichs: „Der Antisemitismus ist die Schmach des Jahrhunderts" zur allgemeinen Anschauung werden. Möge es endlich gelingen, das Vaterland von den konfessionellen Kümpfen zu befreien, damit alle Bürger aller Bekcnntniffe gleichmäßig für das Heil und Wohl des Vaterlandes tätig sein können. Er schließe mit den Worten Scheffels: Stoßt an! Ein Hoch dem Deutschen Reich, an Kühnheit reich, dem Adler gleich, mög's täglich neu sich stärken. Doch Gott behüt's vor Klasseuhaß und Rassenhaß und Maffenhaß und derlei Teufelswerken." Die eingehende Rede, die reiches juristisches und statistisches Material enthielt, wurde mit allgemeinem Beifall ausgenommen. Es wurde hierauf folgende Erklärung beantragt: „Die Stellung der Juden im deutschen Heere entspricht in keiner Weise dem verfassungsrechtlichen Grundsätze konfessioneller Gleichberechtigung. Zumal in Preußen ist heute das Aufrücken unserer jüdischen Mitbürger in Offiziersstellungen tatsächlich ausgeschlossen. Da die Juden an den Heereslasten wie an allen anderen Staatslasten zum Vollen beteiligt werden, so erscheint ihre aus sachlichen Gründen schlechterdings nicht zu rechtfertigende Zurücksetzung im Heere als eine staatsbürgerliche Ehrenkränkunz, die eines Rechtsstaates unwürdig ist." Oberstabsarzt a. D. Iw. Rosenthal-Magdeburg hob besonders auch die Zurüiksetzung der jüdischen Aerzte im Heere hervor. Sanitätsrat vr. Neumann-Berlin bemerkte noch u. a., König Friedrich Wilhelm IV. habe 1841 dir kommandierenden Generäle angefragt, ob es sich empfehle, die Juden gänzlich vom Militärdienst zu befreien und ihnen dafür eine Steuer aufzuerlegen. Sämtliche. Generale ant-