Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 292 (sequence 3)
- Language
- German
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292 Fm deutschen Reich. aller Gruppen der jüdischen Bevölkerung vermitteln und damit zur. rationelleren Gestaltung sämtlicher jüdischen Wohlfahrtsaktionen, vor allem aber des jüdischen Auswanderungs- und Ansredlungswesens wesentlich beitragen wird. Am Dienstag den 26. April begann der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Literatur" (Ä. I. G. V.) an der Universität Berlin sein 43. Dereinssemester durch eine stark besuchte Antrittskneipe. Der genannte Verein hat während der 21 Jahre seines Bestehens nach vielen Seiten hin segensreich gewirkt. Gegründet wurde der Verein im W. S. 1882/83 zur Abwehr antisemitischer Angriffe und zur Stärkung des Selbstbewußtseins unter den jüdischen Akademikern. Von der Annahme ausgehend, daß die objektive Erforschung der historischen und literarischen Vergangenheit der Juden ein vorzügliches Mittel zur Erreichung dieser Ziele wäre, haben die Gründer bald den Verein aus konfessionellen und politisch-tendenziösen Bahnen in rein wissenschaftliche geleitet. Aber seine Tätigkeit blieb nicht beschränkt auf akademischen Boden. Er hat auch den Anstoß gegeben zur Gründung der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur, die jetzt über ganz Deutschland verbreitet sind. Auch die „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums," die sich im vergangenen Jahre konstituirt hat, darf man als ein Kind des Vereins ansehen, da aus der Mitte seines Alten-Herrenverbandes die Anregung zur Gründung gegeben wurde, und das Werk auch heute noch fortgesetzt materiell und ideell unterstützt wird. Dies wurde auch kürzlich auf dem Kommerse, den der A. I. G. V. aus Anlaß der ersten Jahres- Versammlung der genannten Gesellschaft gab, öffentlich von ihrem Vorsitzenden, Herr Prof. Dr. Martin Philippson, anerkannt. Im Hotel Prinz Albrecht fand am 16. April die Generalversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus statt. Der Vorsitzende Dr. Th. Barth bemerkte, der Verein habe seit etwa zehn Jahren eine Generalversammlung nicht gehabt. Der Vorstand habe sich darauf beschränkt, den geistigen Verkehr mit den Mitgliedern aufrechtzuerhalten. Es solle aber von jetzt ab alljährlich eine Generalversammlung abgehalten werden. Der Verein sei von Gneist und Rickert ins Leben gerufen und bemüht, sowohl in jüdischen als auch in christlichen Kreisen Mitglieder zu gewinnen, er, der ein deutscher Verein zur Abwehr des Antisemitismus sei, bezwecke lediglich, für Gleichberechtigung der Konfessionen einzutreten. Nachdem dem Vorstand Entlastung erteilt war, nahm Dr. Barth das Wort zu seinem Vortrag über dte politischen Wahlen. Gesetzlich sei die konfessionelle Gleichberechtigung gewährleistet, jeder Mensch, wisse aber,