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Im deutschen Reich · 1904-05-01 · Heft 5 (Mai 1904) · p. 287

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 5 (Mai 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-05-01
Page
287 (sequence 12)
Language
German
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Umschau. 267 handelt, dem außer der „Staatsbürger-Ztg." noch niemand Fütterung mit „jüdischer oder gar revolutionärer Kost" nachgesagt hat. Sollte das Blatt Bruhns Wider Erwarten den Bescheid des Justizministers richtig abgeschätzt haben, so bliebe den durch unrichtig vergebene „Gerichtsvollzieher-Anzeigen" hart Betroffenen immerhin noch das Mittel der Selbsthilfe, da der Schuldner oder der Gläubiger dagegen protestieren kann, daß seine Interessen durch Anzeigen in „wenig gelesenen" Blättern geschädigt werden. — Unter den antisemitischen Wort-" fi'rhrern im Parlament, welche jede Gelegenheit benutzen, der Reichsregierung Malicen zu sagen, um später damit,ihrem antisemitischen Anhang außerhalb des Reichstages zu imponieren, stebt Graf Reventlow in der ersten Reihe. Bei der ersten Beratung der Börsengesetznovelle hat der Graf am 29. April der preußischen Regierung vorgeworfen, sie habe dadurch, daß das Börsengeseh nicht rücksichtslos durchgeführt, das begangen, was man im gewöhnlichen Leben eine Rechtsbeugung nenne. Er wurde dafür vom Präsidenten Graf Ballestrem zur Ordnung gerufen und später vcn dem Handelsminister Möller in schneidiger Weise zurechtgewiesen. Unter dem Beifall der Linken sagte der Minister, daß man mit solchen Ausführungen wohl nach außen wirken, aber einen großen Einfluß auf politische Entschließungen nicht ausüben könne. Graf Reventlow habe nicht nur ihn als den Vertreter der preußischen Regierung, sondern die gesamte Regierung in einer Weise angegriffen, wie dies früher nicht üblich gewesen sei; er habe auch kein Recht, die an der Börse verkehrenden Kreise als ehrbrüchig hinzustellen. Wenn er politisch klug wäre, würde er in seiner Ausdrucksweise vorsichtiger sein. Der holsteinische Graf bestritt zwar, die ihm zugeschriebene Aeußerung getan zu haben, aber weder die heftigen Proteste seiner Freunde, noch eine später von dem Abg. Dr. Wolfs zu seinem Gunsten gehaltene Standrede konnten den Eindruck verwischen, daß der preußische Handelsminister, der schon früher als Abgeordneter den Antisemiten die Wahrheit gründlich gesagt hat, mit dieser auch als Minister nicht zurückzuhalten gedenkt. Die feindselige Stimmung in den antisemitischen Kreisen Deutschlands, die sich auch nicht eigentlich gegen einen einzelnen Minister, sondern direkt gegen eine noch höhere Stelle richtet, an der nach den Andeutungen Graf Reventlows „Herr Baüin einen unberechtigten Einfluß ausübt," muß sich im Deutschen Reiche selbstverständlich noch Beschränkungen auferlegen. Die geistesverwandte österreichische Antisemitenpreffe dient ihr deshalb als Ventil für den mühsam verhaltenen Zorn. Was u. a. die Wiener „Deutsche Zeitungam 24. April in einem .Kaiser Wilhelm und die

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