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Im deutschen Reich · 1904-05-01 · Heft 5 (Mai 1904) · p. 286

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 5 (Mai 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-05-01
Page
286 (sequence 11)
Language
German
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286 Im deutschen Reich. Lieblingssport zu fröhnen: nämlich auf die Juden zu schimpfen. Als dieser Tage der konservative Abgeordnete Rogalla von Bieberstein in der Kammer der Regierung vorwarf, den Publikationstermin für ihre Pferdekäufe in Ostpreußen nicht richtig gewählt zu haben, behauptete er schlankweg, daß dadurch die jüdischen Händler früher Kenntnis von den Pferdekäufen gehabt und den Bauern schleunigst die Pferde zu niedrigen Preisen abgekauft und sie dann der Regierung mit hohem Nutzen verkauft hätten. Liebermann v. Sonnenberg übertrumpfte den konservativen Abgeordneten noch durch den der Regierung entgegengeschleuderten Vorwurf, dabei die christlichen Pferdezüchter zurückgesetzt und die jüdischen Händler bevorzugt zu haben. Ehe noch der Kriegsminister dies widerlegen konnte, gelang es dem Abgeordneten Pr. Müller-Sagan nachzuweisen, wie töricht das ganze antisemitische Gerede sei, indem er feftstellte, daß tatsächlich eine große Anzahl christlicher Händler bei den Pferdeankäufen in Frage gekommen sei. Man kann es nur als erfreulich ansehen, daß nach und nach jeder Minister durch die Antisemiten selbst belehrt wird, weß Geistes Kinder diese „zuverlässigsten Stützen von Thron und Altar, diese uneigen, nützigen Retter des am Rande des Abgrunds schwebenden Staates" eigentlich sind. Von vielen Rechtsanwälten ist es bereits seit längerer Zeit als eine kaum zu rechtfertigende Schädigung der bedauernswertesten Leute angesehen worden, daß infolge der Beschützerrolle, welche sich die „Staatsbürger-Ztg." über die Gerichtsvollzieher angemaßt hat viele derselben sich verpflichtet fühlen, ihrem Lieblingsorgan die Anzeigen der Zwangsversteigerungen zuzuwenden, statt sie in den gelesensten Blättern zu veröffentlichen und durch zahlreicheren Besuch der Versteigerungen zu verhindern, daß die letzte Habe der ärmsten Bevölkerung für einen Spottpreis weggeht und in vielen Fällen auch die Gläubiger leer ausgehen. Der Abg. Rosenow hat diesen Mißstand im preußischen Abgeordnetenhause am 25. April zur Sprache gebracht und von dem Jufiizminister Pr. Schönstedt den Bescheid erhalten, daß die „Gerichtsvollzieher angewiesen sind, nicht ein bestimmtes Blatt zu bevorzugen, vor allem, wenn es noch obendrein wenig gelesen Wird." Die „Staatsbürger-Zeitung" bezeichnet diese ministerielle Aeußeruug als eine ausweichende, und diejenigen Blätter, welchen viele Gerichtsvollzieher ihr zu Liebe die Versteigerungsanzeigen entzogen haben, als „Judendiener" undsolche, die das „Volk mit jüdisch-revolutionärer Kost füttern." Dem Justizminister Pr. Schönstedt wird es aber nicht fremd sein, daß es sich um den von dem christlichen Herausgeber Scherl verlegten „Berliner Lokal-Anzeiger"

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