Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Der Jude im deutschen Drama
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 273 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Jude im Deutschen Drama. 273 sinnt auf Verrat, den Mardechai entdeckt, und der König empfängt einen Zettel mit den Worten: „Die Königin Vasthi spinnt geheimen Anschlag Mit einem Theres, der des Königs Mundschenk, Drum sei gewarnt!" Und unten: „Mardechai." Dieser Mardechai ist als strenggläubiger Jude gezeichnet, über die heiligen Bücher gebeugt und an Esther weiß er nur Eines zu tadeln: „Zufrieden war' ich ganz mit Dir, wenn Du Die Bücher mir, die hohen, nicht verschmähtest." Für ihn ist Israel bestimmt, „Zu sein der Gipfel dieser weiten Erde, Der Mittelpunkt der Völker nah und fern." und in jenen heil'gcn Büchern stehts und darum ist es ohne Zweifels „Aus unserm Volk entstehen wird ein Held, Dem sich in Ost und Westen beugt die Welt, Der ganzen Menschheit freudiger Gebieter." Esther wünscht er nur einen Funken jenes. Geistes, „der Deborah beseelte, Jahel stärkte und Judith schuf zur Heldin ihres Volks." Und so schwer er mit dem Gedanken, Esther zu verlieren, sich befreunden kann, die Möglichkeit, daß sich durch sie und mit ihr Israel emporheben könne, und „Salomonis Tempel entstünde aus der Asche seiner Schmach", sie begeistert und durchglüht ihn. So wird Mardechai das historische Israel, das Volk, das am Boden über den heiligen Büchern gebeugt unerschütterlich auf die Thora bauend, in Trübsal froh des Tages harrt, an dem die Völker der Erde den einzig einigen Gott anerkennen und der Name Gottes ein einziger sein wird. Wir wißen, daß Marchedais frommer Glaube sich nicht erfüllte; Palästina fiel nach ihm unter die makedonische, dann unter die ägyptische und endlich unter die syrische Oberhoheit. In diese Zeit fallen die Heldentaten der Makkabäer, und sie sind es. die Otto Ludwig, den genialen Dramatiker, zu einer seiner herrlichsten Schöpfungen entflammten. „Die Makkabäer", in den Jahren 1851/52 entstanden, entwerfen in gewaltigen kraftvollen Strichen ein Bild jener Zeit, da Mathathias mit seinen fünf Söhnen den Befreiungskampf Israels aus den Ketten des rohen, grausamen und blutgierigen Antiochus wagte, da Judas Hand als Makkabi, als Hammer, auf den Tempelschänder niederfuhr. „Nur die Tat soll Deine Zunge sein,"