Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Der Jude im deutschen Drama
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 270 (sequence 3)
- Language
- German
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270 Im deutschen Reich. Lieder erfahren hat, ist für unsere Betrachtung gleichgiltig, und es mag dahingestellt bleiben, ob Sulamith wirklich jemals den Palast Salomos betreten hat, oder ob wir mit Wilhelm Feilchenfeld ein Traumerlebnis des schönen Mädchens annehmen, das durch scharfen Gegensatz die reine Liebe gegenüber der sinnlichen umso köstlicher vor die Seele führt. Jedenfalls hat Heyse im Gegenüberstellen der liebestrunkenen, heißsinnlichen Araberfürstin und der unschuldvollen durchgeistigten Gärtnertochter einen wirksamen und dramatischen Vorwurf geschaffen, der durch die Einführung des jungen Hirten Hadad als Gegenpart des lüsternen Königs eine vortreffliche Steigerung erfährt. Hier Balkis und Salomon in der verzehrenden Glut sinnlicher Liebe, dort Sulamith und Hadad im wärmenden Feuer reiner Herzensneigung! Aber Salomon fühlt sich nicht angezogen von der Sonnenpracht der fremden Fürstin, ihn treibt es mit sinnlosem Triebe zur mondesklaren Keuschheit der Tochter seines Volkes, und, trachtet die gekränkte Königin voll Rachsucht die Nebenbuhlerin gewaltsam aus der Nähe des Königs zu entführen, so scheut sich Salomon nicht, mit Zwang und Ueberredung, mit Mißbrauch der königlichen Gewalt das angebetete Mädchen zum Traualtar zu schleppen. Aber über Wcibertücke, über Königshoheit und über Fürstcnweisheit triumphiert die echte, nur aus dem Herzen geborene, den Sinnen fremde Liebe des plumpen, einfältigen Hirten, „Nun, heil'ger Priester, schreite Voran, den Bund im Tempel einzusegnen" hat der König befohlen. Da bricht in Sulamith die ganze Gewalt ihrer Liebe aus, sie ruft ihren Hadad, löst das Diadem aus dem Haare, wirft den goldenen Mantel fort, streift die kostbaren Spangen ab und hat nur eine flehende Bitte „laßt mich wieder Das arme Mädchen sein, und wenn mein Liebster Dem Tod verfallen ist,, dafern ich nicht Die Krone tragen will in Israel, So mög' er sterben, aber ich mit ihm. Besser ein Häuslein Staubes sein zur Seite Des Einen, den ich liebe, als getrennt Von ihm, ein Leben führen voller Glanz, Den Gram im Herzen um verlorene Liebe." Das gibt dem König seine Weisheit wieder. Hatte er vorher zu Balkis gesagt, „alles ist eitel, auch Liebe ist eitel; es wandelt stündlich sich der Mensch, und sollte doch das Herz in seiner Brust