Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Der Jude im deutschen Drama
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 269 (sequence 2)
- Language
- German
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Der Sulu’ im deutschen Drama. 269 Im ganzen hat die Rückertsche Dichtung keinen Anspruch darauf, Drama zu heißen, und der Dramatiker Gutzkow übertrifft wert den Dramatiker Rückert. Wir erleben bei Rückert fast nichts' alles wird erzählt und berichtet, und cs wird in diese Berichte soviel gelehrte Geschichte hineingepackt, daß der weise Orientalist den fühlenden Dichter überragt. Gutzkow läßt vor unseren Augen David durch den abgeschnittenen Mantelfetzen dem König Saul beweisen, daß dessen Leben in seiner Hand war — vom Felsen herab zeigt er seine Trophäe und ruft Saul zu: „was schläfst Du auch so fest'." Rückert läßt David hinter Saul aus der Höhle kommen mit dem schwächlichen Ruf: „Mein König" und „Was, König Saul, verfolgst Du so Deinen Knecht im Grimm?" Noch mehr springt die dramatische Unfähigkeit in die Augen, wenn wir sehen, wie Gutzkow uns die Schlachtszene vor Augen führt und Saul sowohl als Jonathan vor unseren Augen sterben läßt, während bei Rückert ein Bote dem David meldet, daß auf Gilboas Hohen eine Schlacht geschlagen ward: „Dort liegt der König und sein Sohn." Hervorheben will ich nur, um wieviel dramatisch wirksamer Gutzkow den Schluß dadurch gestaltet, daß der Geist Samuels dem Sieger David noch einmal erscheint, um ihn an die Macht des Priestertums zu erinnern: „Ermanne Dich von weichlichen Gefühlen, Und gönne Gott das letzte Wort, nicht Dir!" währe id David den Eiferer von sich weist mit dem Manneswort: „Fahr' hin! Wir folgen nur der -Offenbarung, Die aus dem menschlichen Gemüte spricht." Demgegenüber bei Rückert ein endloser Wortschwall, in dem. Israel und die Nachbarvölker König David huldigen und der Priester Nathan ihm schließlich prophezeit, er solle ferner noch Gotteskriege führen, sein friedfertiger Sohn werde aber Gott ein Friedenshaus bauen. Mit diesem Friedensfürsten, König Salomon, hat sich in der Gegenwart kein Geringerer als Paul Heyse in seinem Schauspiel „Die Weisheit Salomos" befaßt. H verbindet da in feinsinniger, poetischer Weise zwei Ereignisse, die uns die Bibel überliefert hat, den Besuch der Königin' Balkis von Saba an Salomons Hof, wie ihn das zweite Buch der Chronik im neunten Kapitel erzählt, und die Liebesepisode mit der Sulamith, die im Hohen Lied ihre Verewigung erhalten hat. Die Erläuterung, welches dieses Lied der