Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Der Jude im deutschen Drama
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 268 (sequence 1)
- Language
- German
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Im deutschen Reich 268 Der Jude im deutschen Drama. (Aus dcm Nachlaß des verstorbenen Vercinsmitgliedes I)r. Richard Landau in Nürnberg.) II. Zeitgeist und Zeiikolorit bewahrt ohne Zweifel, viel mehr als Gutzkow, Friedrich Rückert. Selbst die epische Breite seines .Drama der heiligen Geschichte", welche oft ermüdend, ja geradezu langweilig wirkt, ist vielleicht aus diesem Gesichtspunkte zu entschuldigen oder gar zu loben. Rückert gibt uns den ganzen historischen Saul, indem er mit der Erwählung Sauls beginnt, uns an seinen Feldzügen gegen die Philister und Amalekiter, an Davids Eintritt an den königlichen Hof, an seiner Tötung des Riesen Goliath, an seiner Flucht vor dem Verfolgungswahn Sauls teilnehmen läßt, um mit dcm Tode Sauls und Jonathans, der Thronbesteigung Davids und seiner Anerkennung als König nicht nur durch ganz Israel, sondern auch durch die Nachbarvölker, welche ihm durch Friedensboten Freundschaft antragen, zu schließen. Auch Rückert verkörpert in SaiinEl die starre und unbeugsame Priesterherrschaft, die mit dem Königsbewußtsein Sauls in Zwiespalt gerät, bis der Bruch offen und unheilbar wird, weil Sauls Edelsinn, gegen das von Samuel verkündete Gebot Gottes, dem gefangenen Amalekiterkönig Agag das Leben schenkt. Doch ist Saul bei Rückert schwächlicheren Charakters als bei Gutzkow, und in seiner Brust kämpfen Gottesfurcht und andere Furcht. Voll Verzweiflung klagt der König: .Beglückt sind die Gestorbenen, wenn sie ruhn In Gottes Frieden, den kein Priesterfluch Berstören kann; ich will zu meinen Toten, Eh' ich die Lebenden hier grüß', und beten Zum Herrn der Toten und Lebendigen." Seine Schwermut ist mit kleinlichem Verzagen gepaart, und als ihn das Gesinde nach gewonnener Philisterschlacht jauchzend begrüßt, stöhnt er mit einem Jammergrau «gesicht: „Ich bin zu Tod gehetzt und mag nicht hetzen!'