Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Der Verband der deutschen Juden
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 262 (sequence 10)
- Language
- German
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262 Im deutschen Reich ungegliedert werden könnte, bitte er, zunächst die Notabeln nicht aus den Statuten zu streichen, obwohl es logisch richtiger wäre, die Organisation nur auf den Verbänden aufzubauen. Die Frage, ob Schreien nutze und ob man große Protestversammlungen abhalten wolle, komme nicht in Betracht. Die Hauptaufgabe des Verbandes liege in der stillen Arbeit des Ausschusses. Erst solle der Verband unter Dach und Fach gebracht werden, das Uebrige werde sich schon finden. „Arbeiten Sie an dem Ausschuß mit, damit wir die geistige Zusammenfassung des Judentums haben, die wir brauchen, nicht blos, damit unsere verfassungsmäßigen Rechte gewahrt werden, nicht blos weil wir nicht mehr Offiziere werden können, sondern weil wir Juden sein und bleiben wollen." (Lebhafter Beifall.) Ein Antrag auf Schluß der Generaldebatte wird abgelehru, dagegen ein Antrag aus Schluß der Rednerliste zu dieser Debatte angenommen. Stadtrat Hamburger-Karlsruhe ist beschämt, nur als einziger Vertreter aus Süddeutschland anwesend zu fein. In Baden habe man eigentlich keinen Anlaß, sich einer Organisation anzuschließen. Er halte es aber für die Aufgabe aller Juden, dahin zu wirken, daß auch in den übrigen Staaten Organisationen geschaffen werden. Er glaube erklären zu können, daß auch die übrigen badischen Gemeinden es als eine Ehrenpflicht erachten werden, dem Verbände beizutreten. Dozent Dr. Baneth - Berlin bezeichnet als das Hauptziel des Verbandes die innere Stärkung des Judentums, und dieses Ziel werde sicher erreicht werden. Herr Benjamin Hirsch-Halberstadt hält die Frage der Notwendigkeit des Verbandes für gelöst, nachdem die im Dienste der Gesamtheit ergrauten Centralverbände für diese Idee eingetreten seien. Da nur aus formalen Gründen einige noch beiseite stehen, so könne die Organisation ruhig als Verband der deutschen Juden bezeichnet werden. Er sei nicht dafür, das Ziel des Verbandes zu eng zu stecken, der Ausschuß werde von Fall zu Fall richtig entscheiden. Dr. Klee-Berlin mahnt zur Einigkeit. Das Judentum muffe Disziplin und Unterordnung unter die selbst und frei gewählten Führer noch lernen. Der Segen werde vor allen Dingen darin liegen, daß in hunderttausenden deutscher Juden das jüdische Bewußtsein und Solidaritätsgefühl gestärkt werde, der Abfall aus unseren Reihen schwinde. Rabbiner Dr. Eppenstein- Briesen hält es an der Zeit, die bleiche Furcht fallen zu lassen, und begrüßt die Gründung des Versands als eine erlösende Tat. Dr. Ehrenberg-Stettin erklärt den Beitritt der Stettiner Gemeinde, die sich bisher ablehnend verhalten habe. Professor Philipp so n stellt zur Vermeidung von Mißverständnissen fest, daß seine Be-