Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Der Verband der deutschen Juden
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 260 (sequence 8)
- Language
- German
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260 Im deutschen Reich. die Berufung von sogen. Notabeln stehe ein Pairöschub zu befürchten. Der Vorsitzende vr. Horwitz stellt sachlich fest, daß die Zahl der zu delegierenden Einzelpersonen auf eine Quote der sonstigen Vertreterbeschränkt und damit genügende Vorkehrung gegen einen Pai-rsschub getroffen sei. Auf Antrag Geiger-Frankfurt wird alsdann die Redezeit auf 5 Minuten beschränkt. Rabbiner Prof. vr. Maybaum gibt für den Rabbinerverband die freudig aufgenommene Erklärung ab, daß dieser sich der Gesamtorganisation anschließen werde. vr. Bodenheimer-Cöln begrüßt die Schaffung des Verbandes als ein neues Mittel zur Hebung der Selbstachtung und des Selbstbewußtseins der Juden. Ihm scheint auf der einen Seite die Aufgabe des neuen Verbandes zu eng gefaßt, wenn man es prinzipiell ablehnen wolle, sich mit den Zuständen der Juden außerhalb Deutschlands zu befaffen, und er bittet, in der Behandlung dieser Dinge die Grenze für den Verband nicht so eng zu ziehen. Auf der anderen Seite erscheine die Aufgabe zu weit gefaßt, wenn alle Dinge, die in Deutschland passieren, den Regierungen durch Petitionen und Eingaben zur Kenntnis gebracht werden sollen, eine Aufgabe, die der Centralverein bisher geleistet habe. Die. allgemeine Unterdrückung und die unwürdige Behandlung der Juden solle vielmehr deutlich und in einer Kundgebung von hervorragender Bedeutung den Regierungen zur Kenntnis gebracht werden. Zu den Verhandlungen der Delegierten müffe die größte Oeffentlichkeit zugelassen werden. Redakteur Klausner-Berlin wünscht, daß die den Juden bisher zu Unrecht vcrzeworfene Solidarität sich nun endlich geltend machen sollte. Das Judentum biete als hinter dem Verbände stehende Macht das moralische Gewicht, denn es vertrete durch diesen nicht Interessen, sondern die Sache der Gerechtigkeit, für welche der Sinn im deutschen Volte noch nicht erstorben sei. Die Frage der Behandlung der Juden in den Handelsverträgen sei absolut eine Machtfrage, und der neue Verband werde in dieser Beziehung gerade Rußland gegenüber schwerlich etwas ändern. Als wesentlichste positive Aufgabe habe der Verband noch eine wirklich staatlich anerkannte Organisation der Juden vorzubereiten. Habe der Verband die staatliche Organisation geschaffen, so dürfe er sich re bene gesta auslösen. (Bravo!) Nachdem alsdann die schriftlich eingegangenen Erklärungen aus München und Stuttgart betreffs der ablehnenden.Haltung der Juden Bayerns und Württembergs verlesen wurden, legt Justizrat vr. Fuchs-Berlin noch einmal die Aufgaben des Verbandes dar. Bisher sei immer nur von Kampf, Abwehr und Rechtsschutz die Rede gewesen. Die Ausfechtung der Abwehrkämpfe und die Verwirklichung der Rechtsschutz'