Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Der Verband der deutschen Juden
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 259 (sequence 7)
- Language
- German
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Der Verband der deuischen Juden. 259 schlossen dastehen. Schließlich hält er es für nicht ungefährlich, daß nach Gründung des Verbandes nun das gesamte Judentum die Verantwortung für die Maßnahmen des Ausschuffes tragen solle. Abgeordneter ^I)r. Cohn-Dessau hält bei der sprichwörtlichen Uneinigkeit der deutschen Juden den zahlreichen Besuch der Versammlung schon für einer großen Erfolg für die Sache des Verbandes, der das sein werde, was aus ihm gemacht werden würde. Wenn man freilich mit vorgefaßten Meinungen an die Gründung heranrrete und tansendsache Rücksichten auch hier walten lassen wolle, so werde der Verband nur ein Verein wie die anderen sein. Wenn wir aber lernen vom Bund der Landwirte, vom Katholikentag, vom Handwerkertag, so werde auch bald eine Macht hinter dem Verbände stehen; denn das Judentum mit seinen wirtschaftlichen und geistigen Intelligenzen sei eine Macht, die man nur zu gebrauchen wissen müsse. Es sei irrig zu sagen, Schreien und Agitation helfe nichts, wenn nicht eine Macht dahinter stehe. Schreien schaffe Macht, und nur dadurch könne die Macht der Partei wachsen. Allerdings könne der Verbände nur Erfolge erringen, wenn er auf deutschem Rechtsboden bleibe, die Grenzlinie zwischen Antisemiten und Juden solle nicht verstärkt werden. Eine zentrale Instanz der Juden müsse geschaffen werden, deren Fehlen bei den Vorgängen in kanten, in Könitz so schmerzlich empfunden worden sei. Die Lage der Juden könne nicht schlimmer werden, als sie schon sei. Im öffentlichen wie im gesellschaftlichen Leben würden die Juden zurückgesetzt, als Menschen zweiter Klasse betrachtet, die wenigen Ausnahmen seien um so beschämender und diejenigen, die Ehrenbezeugungen erhalten, sollten sie vielmehr zurückweisen. (Sehr richtig!) Wer gebe ein Recht dazu, die Juden, die doch Deutsche seien, erzogen in deutscher Sprache, Gesittung und Bildung, schlechter zu behandeln, als die Andersgläubigen? Der Verband müsse begründet werden, alle Juden Deutschlands müssen sich ihm anschließen, kleinliche Bedenken zurückgestellt werden. Mit den Maßnahmen des Ausschusses werde man sich, wie zu hoffen stehe, mit Siolz solidarisch erklären können. Nicht gegen die politischen Parteien solle angekämpft, nur ein schneidiges Organ solle geschaffen werden, eine blanke Wehr zur Verteidigung. Wenn sich dem Verband alle auschließen, so werde dieser ein Segen werden für die Juden in Deutschland. Rechtsanwalt Dt. Holz-Königsberg hält es für die Aufgabe des Verbandes, schnellstens Bayern und Württemberg zum Anschluß zu gewinnen. Der Verband könne nur dann eine Bedeutung gegenüber den Regierungen haben, wenn er sich auf den Gemeinden aufbaue, den gesetzlichen Vertretungen der Juden; durch