Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Der Verband der deutschen Juden
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 258 (sequence 6)
- Language
- German
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258 Im deutschen Reich. hingcwiesen, daß ihnen ihre staatliche Organisation die Teilnahme an solchen immerhin politisch gefärbten Bestrebungen, wie sie der Verband verfechte, nicht gestatte. Es stehe zu hoffen, daß der schwäbische Partikularismus und Individualismus, der vielleicht dieser Entschuldigung unbewußter Weise zu Grunde liege, vor den Borteilen des gemeinsamen Zusammenschluffes verschwinden werde. Den bayrischen Glaubensgenoffen gestatte nach ihrer Angabe das bäurische Dereinsgesetz nicht den Anschluß an einen außerbayrischen Verein. Dem Verbände seien aus Gemeinden im eigentlichen Bayern und in der Pfalz Beweise der lebhaftesten Sympathie und des größten Bedauerns zugegangen, nicht Mitwirken zu können. Der Augenblick werde kommen, wo ein Ausgleich auf Grund des bayrischen Gesetzes zu Stande kommen werde, und es dürfe fest vertraut werden, daß diejenigen, die noch draußen stehen, später dem Verbände beitreten werden. „Wir alle, Orthodoxe und Nicbtorthodoxe", so schließt der Redner unter dem lebhaftesten Beifall der Versammlung, „alle diejenigen, die sich des Namens Jude mit Stolz bewußt werden, müssen zusammenstehen in diesem gemeinsamen Kampfe, der die Freiheit des Einzelnen in keiner Weise ausschließt, und wie einst das kleine und zersplitterte Schweizervolk Macht und Ansehen erlangt hat durch Einigkeit, so werden auch wir dem Spruche des teuersten und volkstümlichsten deutschen Dichters folgen: „Seid einig, einig, einig!" — Der Vorsitzende schlägt alsdann vor, zur Vermeidung einer Zersplitterung, die nunruehr beginnende Diskussion in eine Generaldiskuffion und Spezialdiskuffion zu trennen und in der crsteren die Hauptgestchtspunkte, Zweck des Verbandes, Zusammensetzung desselben, Oesfentlichkeit und Beitragspflicht, zur Erörterung zu bringen. In der Generaldebatte spricht Justizrat Friedmann-Glogau seine Freude aus über die Idee der Begründung der Organisation, welche für die innere Kräftigung und das Ansehen der deutschen Judenheit nach außen notwendig sei, warnt aber vor allzu großer Zuversicht in die sofortige Wirkung der Leistungen dos Verbandes. Herr Blumenthal-Cassel glaubt nicht, daß die Leistungen eines offiziellen Verbandes andere Aufnahme finden würden als bisher diejenigen des Central-Vereins, und fürchtet, daß man die Juden wegen ihrer politischen Ohnmacht — im Gegensatz zu dem politisch kräftigen Bund der Landwirte oder zum Katholikentag — genau so behandeln weide wie bisher. Es sei nicht - opportun, die Organisation als Verband der deutschen Juden zu bezeichnen, wenn ein wesentlicher Teil Deutschlands fehle, und es sei ein beschämendes Zeichen nach außen, wenn die Juden in einer solchen Frage nicht vollständig ge-