Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1904)
- Article
- Der Verband der deutschen Juden
- Date
- 1904-05-01
- Page
- 256 (sequence 4)
- Language
- German
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256 Im deutschen Reich. der er angehöre, treu dienen, doch ihre eigene Sache mußten die Juden selber verteidigen. Das allein sei würdig und auf die Dauerwirksam. Die praktischen Einzelausgaben des Verbandes könnten, wie der Redner fortfährt, unmöglich alle aufgcführt werden, die Zahl derselben sei zu groß. Vor allem handle es sich darum, die Verletzungen der gesetzlichen Rechte der Juden in umfassender, systematischer und authentischer Weise fcstzusteüen und zwar in jedem Zweige deS öffentlichen Dienstes. Die maßgebenden politischen Faktoren und besonders die Parteien in den Volksvertretungen ebenso gut auch wie die Presse hätten keine Ahnung, in welchem Umfange und in welcher Schärfe das Gesetz zu Ungunsten der Juden verletzt werde. In der Frage der Handelsverträge sei die Behandlung der Juden der der deutschen Christen gleich zu stellen, in der Frage der Gemeindeorganisationen dürfe kein Judengeseh beschlosien werden, .ohne die Vertreter des Judentums zu Rate zu ziehen, in der Schächtfrage treffe eine Verletzung der Gewissensfreiheit der Orthodoxen alle Juden ebenso stark, als wenn es sich um eine Gewiffensfrage der Gesamtheit handle. (Bravo!) Deshalb müsse der Verband an die Regierungen, an Reichs- und Landtag Vorstellungen richten, in Korrespondenz treten mit Staatsmännern, Parteiführern und Abgeordneten und nicht zum wenigsten mit den Redaktionen der Zeitungen. Durch die Betonung unseres-Zusammenhangs, durch das kühne und selbstbewußte Eintreten für unsere Rechte, für unsere Ehre, müsse den Juden gezeigt werden, daß sie keine schwachen Rohre mehr im Winde seien. Gelegentlich müsse man sich auch nicht davor scheuen, gewissenlosen Abfall vom Judentum zu brandmarken, mit der ganzen Wuckt der ehrlichen Ueberzeugung. Wenn es not tue, müsse auch eine Verteidigung gegen feindliche Angriffe übernommen werden. Der Schwerpunkt des neuen Verbandes werde in der täglichen geräuschlosen und unermüdlichen Arbeit des Ausschusses bestehen, doch müsse auch von Zeit zu Zeit eine öffentliche Versammlung der.Delegierten Deutschlands zusammentreten, um dem Ausschuß die Wege zu weisen, die Ziele von neuem festzufiellen. Unsere Zeit sei die der-Oeffent!ichkeit. alle Jntereffen können und muffen in der Oeffentlichkeit behandelt werden, wenn sie zu einem gedeihlichen Ziele führen sollen. Die Juden seien am allermeisten genötigt, mit ihren Wünschen in das volle Licht der Oeffentlichkeit zu Preten, man muffe sehen, daß die Art, wie sie ihre Wünsche und Rechte zu verwirklichen suchen, mu auf bem Gebiete der Rechtlichkeit und Ehrenhaftigkeit sich vollziehe. Für unsere Bestrebungen müfle ein Widerhall gefunden werden bei unseren eigenen Brüdern und auch draußen in unserem Vaterlande,