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Im deutschen Reich · 1904-05-01 · Heft 5 (Mai 1904) · p. 255

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 5 (Mai 1904)
Article
Der Verband der deutschen Juden
Date
1904-05-01
Page
255 (sequence 3)
Language
German
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Der Verband der deutschen Juden. 255 Nicht allgemeine Politik solle im Verbände getrieben, kein jüdisches Zentrum gebildet werden. Mit den Regierungen und Volksvertretungen solle über die Aufrechterhaltung unserer Rechte und Interessen verhandelt werden. Unter den gemeinsamen Interessen sei alles zu verstehen, was die Ehre und die verfassungsmäßigen Rechte unserer Glaubensgemeinschaft sowohl im ganzen wie auch in den einzelnen Landern betreffe, alles, was die Stellung der einzelnen Individuen beireffe. Der Einwand, daß dies vielmehr eine Angelegenheit der Einzelstaaten sei, laffe sich nicht aufrecht erhalten. Denn da die Gleichberechtigung Aller im Gesetz des deutschen Reiches vorgesehen sei, könne diese auch von einer allgemeinen deutschen Vereinigung verfochten werden. Daß die Verteidigung unserer Interessen auf dem Gebiete der Gleichberechtigung mit dem vollen Gewichte der Einigkeit in die Hand zu nehmen sei, das erscheine nach den Erfahrungen der letzten Zeit zweifellos. Die Rolle des Stillschweigens, des leisen Protestes, des Sichverkriechens hinter andere Faktoren muffe ausgegeben werden. Je numerisch schwächer die Juden seien, desto nötiger sei die Einheit. Das deutsche Judentum als Einheit werde eine Rücksichtnahme auf die uralte historische und ethische Gemeinsamkeit fordern und erhalten. Auch diejenigen unter den Glaubensgenoffen, die es jetzt noch bester hätten, sollten nicht müßig die Hände in den Schoß legen, während ihren Brüdern in den übrigen Teilen Deutschlands mehr und mehr Abbruch geschehe, nicht tatenlos die Zeit abwarten, bis auch an sie die Reihe komme, und jener antisemitische Geist, der noch immer stärker wehe, werde zweifellos die noch wenigen freien Gebiete ergreifen, wenn ihm nicht Schranken gesetzt würden. Die Regierungen sollen auf keinen Fall gereizt werden. Würden denn, nicht vielfach gerade durch den Lärm und die Kundgebungen der Antisemiten die Regierungen viel weiter getrieben, als es ihnen im Grnnde recht und lieb sei? Wünschen denn nicht viele Männer der Regierung soviel wie möglich einen Gegenwind, der diesen Bestrebungen entgegenwirke? - Auch der andere Einwand, daß die Juden sich zu ihrer Unterstützung der liberalen politischen Parteien bedienen sollen, sei bereits in der Vorversammlung seitens eines hochgeachteten liberalen Politikers widerlegt worden. Die liberalen Parteien hätten nicht mehr die Macht, wirklich tatkräftig für das Judentum kämpfen zu können. Was die Liberalen Vorschlägen, sei meist dazu bestimmt, von den übrigen Parteien mit einem gewiffen Hatz und Hohn zurückgewiesen zu werden. Doch es handle sich garmcht dämm, denjenigen politischen Parteien, -re die Rechte der Juden bisher verfochten, ein Paroli zu bieten. Ein jeder solle nach wie vor der politischen Partei,

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