Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 247 (sequence 9)
- Language
- German
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Vcreinsnachrichten. 217 aus. Hier helfe kein Beruhigungkpulver; für einen Liberalismus, der in dieser Weise den Antisemitismus fördere, muffe man sich bedanken. Herr S. Salinger bezcichncte ebenfalls das Verhalten der gedachten Parteileitung bei den Stichwahlen als eine Schädigung des Liberalismus. Herr vr. Wohlberg empfahl bei den obwaltenden Verhältniffen möglichste Zurückhaltung der Juden von dem gesamten politischen Parteitreiben. Herr Bankier Carl Loefer bemühte sich, auf Grund seiner in dem Wahlkreise Eschwece-Schmalkaldcn gemachten persönlichen Erfahrungen das Verhalten der Leitung der freisinnigen Volkspartei zu rechtfertigen. Herr Leopold Schlesinger warnte dringend davor, das politische Parteigezänk in den Central-Verein hineinzutragen, der bisher statutenmäßig ein neutrales Gebiet gewesen fei, auf dem die deutschen Juden der verschiedensten politischen Richtungen einmütig ihre staatsbürgerlichen Rechte verteidigt haben. Dieser Verein dürfe nicht zum Tummelplatz politischer Leidenschaften werden. Diese Ansicht bezeichnete der Vorsitzende im Schlußwort als eine vollständig den Ansichten des Vorstands entsprechende. Der Vorstand habe nicht an den politischen Fragen, welche die Abwehr des Antisemitismus so nahe berühren, teilnahmslos vorübergehcn können, stehe aber der Parteinahme für irgend eine politische Partei völlig fern. Daß die Leitung der Dolkspartei bei einzelnen Wahlen einen falschen Weg eingeschlagen habe, dürfe und muffe er beklagen; er hege aber das Vertrauen zu der Partei, daß sie niemals sich antisemitisch ausgestalten werde, weil sie dies einfach nicht könne, weil sie damit aufhören würde, eine liberale Partei zu sein. Wenn die Leitung der Volkspartei Jrrtümer begehe, so müßten ihre jüdischen Anhänger versuchen, sie auf den rechten Weg zurückzuführen, nicht aber sich von ihr lossagcn und ihr die Rückkehr zu einem wahrhaft liberalen Verhalten erschweren. Freunde, die sich geirrt haben, vor den Kopf zu stoßen, fei mindestens politisch unklug. Vor allem aber fei zu wünschen, daß die diesmalige hochpolitische Debatte die letzte dicser Art im Central-Verein gewesen sei, der keineswegs der rechte Ort fei, politische Fragen zum Austrag zu bringen. Hier müsse wieder und wieder die Mahnung an die deutschen Juden ergehen: Seid einig, einig, einig! Nach, dieser mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Erklärung fand um Mitternacht der Schluß der Versammlung statt. Die uns von vertrauenswerter Seite gemachte Mitteilung, daß auch einem jungen Kaufmann aus Wiesbaden, der sich zum zweijährig-freiwilligen Dienste bei dem hessischen Feld - Artillerie- Regiment Nr. 27 gemeldet hatte, erklärt worden sei, daß Israeliten vom Regiment als Freiwillige nicht angenommen werden,