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Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 246

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-04-01
Page
246 (sequence 8)
Language
German
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246 Im deutschen Reich. sagen könnend Schlimm war, daß auch die Schmähreden Liebcrmanns und Böcklers über die angebliche militärische Untüchtigkcit der Jude» und ihre Unlust am Heeresdienst unwidersprochen blieben, während die historische Unrichtigkeit der antisemitischen Behauptungen so leicht nachzuwciscn war. Die „Kreuz-Zeitung" sei darin vorsichtiger gewesen, indem sie den Juden nicht die Lust oder die Fähigkeit zum Heeresdienst völlig abgesprochen, sondern nur ihre Gesinnungstüchtigkeit in Abrede gestellt habe. Daß das fromme Blatt gerade bei dem Ableben ihres früheren Chefredakteurs Hammerstcin dessen Anhänger als Muster von Gesinnungstüchtigkeit hinstellte, sei jedenfalls ebenso bemerkenswert, wie der Nachruf, den der frühere Hofpredigcr Stöcker seinem Freunde Hammerstein gewidmet habe. In diesem Nachrufe wird seltsamerweise erwähnt, daß Hammeistcin Blutvergießen für ein politisches Heilmittel, den Ehebruch aber für ein Mittel gehalten habe, die Reue über Schuldenmacherci und Fälschungen zu betäuben. Graf Pückler, der sich neuerdings wieder von den Drahtziehern der „Staatsbürger-Zeitung" mißbrauchen lasse, könne lediglich ein pathologisches Interesse erwecken; er sei auf einem Niveau angelangt, welches es uns unmöglich mache, uns mit ihm ernsthast zu beschäftigen. Die Frage, ob die Verbreitung seiner zu Gewalttätigkeiten offen aufreizenden Flugblätter ferner zuzulassen sei, müßten die Behörden selbst entscheiden. Woraus solche Aufreizungen abziclen, habe man in Kischinew gesehen; seit jenen Metzeleien habe aber Rußland sich noch weiter in• der Richtung der Unkultur entwickelt. Der Vortragende erinnerte dabei an Worte Theodor Mommsens, der diese Hetzen als den ,Selbstmord Rußlands" bezeichnet und hinzugefügt habe: „Der Fanatismus ist unverbesserlich". Hoffentlich werde aber doch in Rußland und auch bei uns die Erleuchtung und das Verständnis dafür kommen, daß das Heil nur in der Gleichberechtigung aller Menschen zu finden sei, denn die Frage der Gleichberechtigung der Juden sei von der Frage der Gleichberechtigung aller Menschen unzertrennlich. — Au diese vielfach von Kundgebungen lebhafter Zustimmung unterbrochenen Ausführungen schloß sich die Eröffnung der Debatte. Herr Rechtsanwalt vr. Curt Rotenberg erklärte, daß er zwar von seiner Absicht, eine Resolution gegen das Verhalten der Leitung der freisinnigen Volkspartei zu beantragen, aus formellen Gründen Abstand genommen habe, aber einen lebhaften Protest gegen die Verleugnung echt liberaler Grund- Me bei der Stichwahl Eschwege-Schmalkaldcn für notig erachte. Herr vr. Carl Lewin sprach sich scharf gegen jede Beschönigung des Verhaltens der Leitung der Volkspartei bei verschiedenen Wahlen

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