Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 245 (sequence 7)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 245 könne uns nicht weiter genieren. Auch unser Verhalten in den Stichwahlen Eschwege-Schmalkalden und Zschopau-Marienderg sei mehrfach Gegenstand einer unsreundlichen Kritik gewesen, weil man dem Umstand nicht Rechnung tragt, daß der Central-Verein sich grundsätzlich mit Politik nicht befaßt und nur eine Losung kennt: „Gegen den Antisemiten". Daraus ergiebt sich, daß wir jeden Gegner eines antisemitischen Kandidaten unterstützen, ohne uns für sein Parteiprogramm besonders zu interessieren. Daß die Leitung der freisinnigen Dolkspartei es unterlaffen hat, im Kreise Eschwege-Schmalkalden die Parole auszugeben: „Unter allen Umständen gegen Raab und für den Sozialdemokraten", mußten wir beklagen und wir haben unfern Unmut darüber nicht verhehlt; aber wir sehen in diesem falschen Weg. den die Parteileitung eingeschlagen hat, für diejenigen unserer Mitglieder, die zur freisinnigen Dolkspartei gehören, keinen Grund, sich von dieser leszusagen. Die Unzufriedenheit mit einzelnen leitenden Personen dürfe man doch nicht eine ganze Partei entgelten lassen, vielmehr müsse man versuchen, sie auf den richtigen Weg zurückzuführen. Der unerfreuliche Ausfall der Stichwahl in dem Kreise Zschcpau-Marienberg sei vielleicht darauf zurückzuführen, daß der Termin den Antisemiten früher bekannt geworden Zu sein scheine als ihren Gegnern. Wenn die Tageepresse über unsere Eingabe an den Knegsminister, die Unteroffizier- Laufbahn betreffend, zum Teil sich abfällig geäußert habe, liege dies wohl nur daran, daß sie den Wortlaut unserer Eingabe nicht kannte, die keineswegs darauf abzielte, zu erfahren, daß „gesetzlich nichts im Wege" stehe, daß Juden Unteroffiziere würden, oder „daß dem Minister kein Fall bekannt geworden sei", in dem Kapitulationen verhindert worden seien. Wir hatten nur Bescheid darüber erbeten, ob es möglich und rätlich sei, geeignete jüdische Knaben den Unteroffiziers-Schulen zuzuführen und ob sie dann als Unteroffiziere nicht zu befürchten hätten, daß ihnen der Zivilvcrsorgungsfchein unerreichbar bliebe. Der Redner streifte dann die Angelegenheit der Nichtbeförderung der tüchtigsten Juden zu Reserveoffizieren und bemerkte, daß auf das Immediatgesuch des Justizrats Feige in Breslau eine ebenso nichtssagende Antwort des Generalkommandos erfolgt sei wie auf die Eingabe des Central-Vereins an den Kriegsminister. Geschadet hatten beide Gesuche des Vorsitzenden des Breslauer Anwaltsvereins sicher nicht, weil die Dinge nicht schlimmer werden könnten, als sie eben seien; man könne vielmehr hoffen, daß sie genützt haben. Daß der Kriegsminister bei der sogenannten „Makkabäer- Rede" des Abg. Eickhoff im Reichstage geschwiegen habe, sei eigentlich kein Wunder; was hätte er bei den jetzigen Verhältnissen wol auch