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Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 243

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-04-01
Page
243 (sequence 5)
Language
German
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Dereinsnachrichten. 213 empfangend, beteiligt gewesen. Auch Schleiden habe dies bezeugt und besonders auf die Fähigkeit der Juden zurückgeführt, fremde Sprachen zu beherrschen, fremde Schöpfungen ins Deutsche zu übertragen, fremde Gedanken zu assimilieren. Nachweislich sind Juden an der Uebersetzung des „Parsifal", sowie des „Reinecke Fuchs" hervorragend beteiligt gewesen. Daß die in früheren Jahrhunderten ungemein volkstümliche „Hauspoftille" ein Werk eines getauften Juden Johannes Pauli gewesen, bezeugen auch judenfeindliche Schmähungen mancher seiner Zeitgenossen. Viele deutsche Dichtungen, Sagen, Volksbücher und Schwänke aus dem 1b., 16., 17. Jahrhundert sind nur dadurch bis auf unsere Zeit gekommen, daß deutsche Juden sie, in hebräischer Sprache oder Ln hebräischen Lettern niedergeschrieben, als Hausschätze bewahrten zu einer Zeit, in der sehr Viele im deutschen Volke des Schreibens überhaupt noch unkundig waren, vr. Berliner hat im Vatikan eine aus dem 12. Jahrhundert stammende hebräische Uebersetzung der „Artus-Sage" gefunden, die unter den Juden sehr populär war. Am Purimfeste fand später die sogenannte „Hanswurst-Komödie" reichliche Verwendung; aus einer zu dieser Gattung gehörigen uralten heiteren Dichtung „Der Verkauf Josephs" rezitierte der Vortragende einige originelle Strophen. Rudolf Hildebrand, eine Autorität auf dem Gebiete der Literaturgeschichte, schreibt aber den deutschen Juden auch das Verdienst zu, daß sie in der Zeit, als sie vor blutigen Verfolgungen sich nach Osteuropa retteten, dorthin deutsche Kultur und jenen oberdeutschen Dialekt verpflanzten, der heute fälschlich als „Jargon" gilt. Leasings großes Drama „Nathan der Weise" bezeichnete nicht nur den Anbruch einer neuen großartigen Periode für die deutsche Literatur, sondern auch für die Beteiligung der Juden an derselben. Moses Mendelsohn schuf nicht nur einen volkstümlichen Stil für die deutsche Philosophie, sondern bekämpfte auch erfolgreich die Vorliebe für die französische Poesie. Ludwig Gompertz aus Danzig erhielt für eine Streitschrift wider das Vorurteil Friedrichs II. gegen die deutsche Literatur sogar ein Dankschreiben des großen Königs. Noch bedeutender mären die Verdienste Salomon Maimons auf streng wiffenschaftlichem Gebiete. Der Einfluß, den drei geistvolle Jüdinnen, Henriette Herz, Dorothea Schlegel und Rahe! Varnhagen durch die in ihren Salons gepflegte bildende Geselligkeit auf die deutsche Literatur und die Anerkennung der Größen ausgeübt habe, ist nicht hoch genug zu veranschlagen. Professor Minor in Wien hat sich als berufener Forscher darüber begeistert geäußert. Der Vortragende würdigte nun die hohe Meisterschaft Heinrich Heines in

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