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Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 242

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-04-01
Page
242 (sequence 4)
Language
German
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242 Im deutschen Reich. rabbinischer Exegese übersetzt. Das „Wessobrunner Gebet" aber erinnere nicht „an die heidnische Vorzeit der Deutschen", sondern sei in seinem wesentlichsten Teile dem ersten Kapitel der Genesis nachgebildet. Das jenen ältesten deutschen Urkunden nachfolgende Schrifttum zeigt erst recht den Einfluß des Judentums, besten sich die christ. lichen Geistlichen damals als geeignete Vermittelung dem Heidentum gegenüber bedienten, indem sie aus jüdischen Helden christliche Heilige machten. Dies setzte sich in wenig veränderter Weise fort, als die Geistlichen in den fahrenden Gesellen Wettbewerber fanden, in jenen armen Spielleuten, die von dem Literarhistoriker Scherer treffend als „wandernde Journalisten" bezeichnet worden sind. Aber auch diese Spielleute griffen vielfach auf biblische Stoffe zurück; sie müssen enge Beziehungen zu Juden unterhalten haben, da einzelne dieser dichterischen Bearbeitungen, insbesondere die den König Salomo betreffenden, sich eng an talmudische Sagen anlehnen und vielfach an Midraschim erinnern. Selbst in der ersten Glanzzeit der deutschen Literatur, der Zeit des Minnesanges, fehlte jüdische Beteiligung nicht, wie die durch die Rüdiger Manestesche Sammlung erhalten gebliebenen sechs poetischen Schöpfungen des Indischen Minnesängers Süßkind von Trimberg beweisen. Auch das Bild jenes Sängern welches die damalige Judentracht aufweist, ist in der Sammlung »nthalten. Daß in jener Zeit der blutigsten Verfolgung der Juden du.^ch die Kreuzfahrer ein Jude als Minnesänger von Burg zu Burg ziehen und Anerkennung finden konnte, wird nur durch die, edle Toleranz und Freisinn atmenden Dichtungen der größten Sänger Wolfram von Eschenbach und Walter von der Vogelweide, Freidank u. a. m. erklärlich. Der Vortragende wies aus einzelnen Strophen der Gedichte Süßkinds nach, daß diese in Form und Inhalt den besten Schöpfungen der Minnesänger zuzuzählen sind und durch einen hohen Gedankenflug sich auszeichnen. In dem letzten Liede: „Was soll dies traurig Wandern?" habe sich Süßkind wieder voll und ganz als deutscher Jude gefühlt, reich an Erfahrungen und Enttäuschungen, aber voll edlen Stolzes, des eigenen Wertes bewußt. Den Uebergang vom Minnegefange zu der Poesie der Meistersänger bezeichnet ein offenbar von einem Juden gedichtetes kleines Epos, das „Samuel-Buch", das in den reinsten Nibelungen-Strophen das Leben des Königs David behandelt. Diese früher einer Jüdin zugeschricbcne Dichtung rührt nach der Entdeckung des Vortragenden von einem jüdischen Dichter Liwa her. Wie Rudolf Hildebrand auf der Germanisten-DersamMung zu Würzburg ausgcführt^beHld die Juden auch weiterhin wesentlich an der deutschen Literatur lehrend und lernend, gebend und

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