Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 241 (sequence 3)
- Language
- German
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Vereinsnachrichlen. 241 festen Mut zu zeigen haben, der uns die frische Farbe der Entschließung gibt. Der Redner erinnert an die Worte Friedrichs des Großen, die dieser dem Epiktet entlehnte: „Sagt man etwas Böses von Dir. und es ist wahr, so bessere Dich. Sind es aber Lügen, so lache darüber." Der Redner schloß mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß die deutschen Juden als wurzelcchte Optimisten an ihrer inneren Entwickelung durch Haß und Verleumdung hindurch weiter arbeiten. Der Rückblick auf den Einfluß, den unsere Leidenszeit in ethischer Hinstcht auf uns ausgcübt hat, könne uns nur in dem Gedanken kräftigen, daß wir nicht resigniert über unsere Leiden zu klagen haben. Wir können unfern Feinden dankbar sein. — Langanhaltender Beifall folgte diesen Worten, und dann erklärte der Vorsitzende, dieser Beifall habe gezeigt, daß der Redner allen Anwesenden aus dem Herzen gesprochen habe. Er drücke diesem den herzlichsten Dank der Gruppe SW. aus und bitte die Versammlung, diesen Dank durch Erheben von den Sitzen zu bekräftigen. — An den Vortrag schloß sich noch eine sehr anregende Debatte, an der sich außer dem Vorsitzenden die Herren Architekt Conradi, Dr. Brandt und I. W. Fernbach beteiligten. Im Schlußwort betonte Herr Dr. Brodnitz nochmals, wie streng die im Laufe der Debatte mehrfach erwähnte sogenannte „Innere Mission" unter energischer Zurückweisung jeder Schönfärberei und Vertuschung vom Central-Derein gehandhabt werde. Er warnte aber vor ungerechter Uebertreibung. Was die Gegner der Juden als ..jüdische Fehler" bezeichnen, seien zum erheblichen Teile nur Kriegswunden, Folgen tausendjähriger Unterdrückung, die in der Hauptsache nur unsere Gegner schänden. Hierauf schloß Herr Dr. Guttsmann die Versammlung mit nochmals an den Vortragenden gerichteten herzlichen Dankesworten. Trotz der vorgerückten Jahreszeit war die am 28. März d. Js. veranstaltete allgemeine Central-Vereins-Versammlung so zahlreich besucht, daß der große Saal des »Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde" bis auf den letzten Platz gefüllt war. Herr Rechtsanwalt Dr. M. Horwitz eröffnete die Versammlung und erteilte sodann Herrn Schriftsteller Dr. Gustav Karpeles das Wort zu einem Vortrage über „DieLuden in der deutschen Literatur". Der Redner betonte Tn^der Einleitung, daß die Tatsache der hervorragenden Beteiligung der Juden an der deutschen Literatur noch viel zu wenig bekannt sei und eine größere Verbreitung erheische. Das älteste vorhandene deutsche Buch, die Bibel des Ulfilas, sowie das älteste deutsche Gedicht, das „Weffobrunner Gebet", seien jüdischen Ursprungs. Ulfilas habe zweifellos unter der indirekten Einwirkung