Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 240 (sequence 2)
- Language
- German
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240 Im deutschen Reich. durch ein charakterfestes, von idealer Begeisterung erfülltes Elitekorps erkämpft werden können, betonte die heilige Pflicht der jüdischen Familie, Verständnis für unsere Geschichte zu erwecken, und die spezifischen Tugenden unserer Voreltern zu pflegen. Es sei falsch, wenn man absolute Uniformität aller Deutschen verlange. Es könne in mancherlei Hinsicht nicht schaden, wenn etwas von dem „Nimbus" der Erlösung, die uns durch Emanzipation und Assimilation geworden, verloren gehe, wenn dafür die Tugenden erhalten bleiben, welche unsere Voreltern durch ihre Leidenszeit geführt haben. Er verwies auf die Kraft, die wir in ethischer Hinsicht aus dem Studium der Bibtl entnehmen können, durch welche uns die Lehren der Nächstenliebe und der Milde gegen die Fremden eingeprägt worden sind. Wir Juden seien auch jetzt noch fast die einzigen, welche den Gedanken der Gleichheit aller Menschen ohne Rücksicht auf Glauben und Bekenntnis Hochhalten. Mitten unter Haß und Verkennung sei uns so eine neue Heilmission erwachsen. Der Vortragende erörterte dann die Bedeutung eines berechtigten Solidaritätsgefühls und die damit verbundenen Pflichten strenger Selbstzucht, Vermeidung alles Auffallenden, alles übertriebenen Luxus, Vermeidung antisemitischer Restaurants und Badeorte und des Jnserierens in antisemitischen Blättern. Der Central-Verein habe das berechtigte Solidaritätsgefühl der deutschen Juden geweckt und Tausende veranlaßt, zusammenzuströmen zum Kampf ums Recht; er habe gelehrt, daß diejenigen zunächst berufen seien, den Antisemitismus zu bekämpfen, die am wenigsten persönlich unter ihm leiden, aber für ihre bedrängten Brüder warm empfinden; er habe die Ueberzeugung gestärkt, daß wir nicht geduldete Gäste in Deutschland, sondern mit der deutschen Scholle mindestens so eng verwachsen sind, wie der blondeste Arier. Patriotische Jdealgestalten, wie Lasker und Bambergcr, die äußerlich nichts mit den Ariern Gemeinsames aufzuweisen hatten, hätten den Beweis erbracht, welche reine, selbstlose vaterländische Gesinnung der Jude in sich trägt. Er erinnerte an die für uns vorbildliche Rede Bambergers bei Enthüllung des Denkmals für Heinrich Simon am Ufer des Wallenfees, ein unvergängliches Zeugnis für die Läuterung, die vornehme Naturen aus ihren Leiden entnehmen. Der Central- Verein solle auch ferner das Selbstbewußtsein der deutschen Juden heben, sie mit dem Gedanken durchdringen, daß sich der Jude nirgend einzuschleichen, nirgend einzudrängen.brauche, daß wir keine Eideshelfer nötig haben, um unsere Würdigkeit für die Gleichberechtigung zu beweisen, daß wir aber auch nicht bei jedem Nadelstich nervös werden dürfen, vielmehr an Stelle dumpfer, feiger Resignation jenen