Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 231 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 231 vor Wochen stattgefunden hat. Das Ereignis müßte eigentlich durch einemDenkstein auf dem Kuh berge bei Bischofswerda verewigt werden. Vielleicht erhält Herr Gräfe außerdem ein Denkmal auf dem Tripftcin, von dem auch noch andere Leute als der antisemitische Prinz Sizzo „eine schöne Aussicht auf Schwarzburg" haben! Die „Berliner Zeitung" berichtete am 23. v. Ms: „Pückler reäivivus. Die Berliner haben ihn wieder, den Grafen Pückler aus Klein-Tschirne! Er bedurfte der Ruhe nach heißer Drescharbeit und fügte der unfreiwilligen Muße, die ihm der Staatsanwalt auf Weichselmünde gönnte, noch einige Monate freiwilliger Zurückgezogenheit hinzu. Nun ist er wieder da, und gestern begann er in der Tonhalle einen neuen Zyklus seiner lustigen Vorstellungen. Gräfliche Gnaden sind gut in Form. Bejubelt vom lieben Publikum, das nach Feierabend nun einmal feinen Jur zu haben wünscht, huldvoll sich verneigend und mit der Hand nach allen Seiten winkend, bestieg der Urgermane das Podium. Der Kellner brachte ihm ein Gläslein Bier, und dann legte Pückler los. Leider sprach der Graf nur sehr kurze Zeit, und dem Berichterstatter dünkte es, als ob man für die 20 Pf. Entree eigentlich doch noch etwas mehr hätte verlangen können. Es sprach nach Pückler zwar noch ein antisemitischer Redakteur, aber besten Rede war — noch weniger wert!"' — Shakespeare läßt den Hamlet nicht von Pückler, sondern von Polonius sagen: „Laßt die Tür hinter ihm abschließen, damit er den Narren nirgends anders spielt, als in seinem eignen Hause!" Am 6. April hielt Gras Pückler in den Prachtsälen des Westens einen Vortrag über „Das Judentum und die Stadt Berlin". Nach dem Berichte der „Staatsbürger-Ztg." gehörten die Zuhörer in der großen Mehrzahl den „befferen" Ständen an und war die Stimmung eine sehr gehobene. Das Antisemitenblatr hütet sich aber, die rohen Ausfälle des Grafen gegen die Jud<n und insbesondere gegen die jüdischen Professoren im Wortlaut wiederzugeben, weil die in der Versammlung unbeanstandet gebliebenen, teilweise sogar bejubelten Aufreizungen zu Gewalttätigkeiten bei einzelnen Lesern doch Zweifel an der Qualität des Publikums erregen, vielleicht sogar Erörterungen über die gesetzlichen Grenzen des gräflichen Bilderreichtums veranlasten könnten. Die Personen, welche die Bedeutung solcher gefährlichen Extravaganzen unterschätzen, sich an ihnen ergötzen und ihre Fortsetzung begünstigen, tragen die volle Verantwortung für die traurigen Folgen, welche die Straflosigkeit solcher „Narrheiten" zweifellos haben wird. — Wie aus Glogau gemeldet wird, ist Graf Pückler, der wegen öffentlicher Beleidigung des Stationsvorstehers von Klein-Tschirne angeklagt war, der auf den 8. April