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Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 230

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
Berlin
Date
1904-04-01
Page
230 (sequence 5)
Language
German
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m Im deutschen Reich. dem alttestamentarischen Helden ab, sondern auch in seinem ganzen Wesen. Seine glühende Sinnlichkeit und ewige Verliebtheit, seine unsittliche Lebensweise und fragwürdige Ehe, der er erst ganz heimlich die Weihe geben ließ, als Napoleon, der gewiß kein Abstinenzler und Tugendbold war, sich eine etwas ironische bezügliche Frage gestattet hatte, sein Servilismus gegen Fürsten, der seinem steif markigen Vater so zuwider war; sein völliger Mangel an Vaterlandsliebe, seine Feigheit den kriegerischen Ereignisien seiner Zeit gegenüber und noch manche andere Züge, reden eine zu deutliche Sprache, als daß ein Mensch von unbefangenem Urteil sich der Ueberzeugung verschließen könnte, daß Goethe weit mehr Semit als Deutscher war." Dazu bemerkt die „Frauen-Rundschau": „Sie sehen, daß wir es bei dieser .Entdecken»" mit einem sehr schweren Fall von Antisemititis zu tun haben. Die böse Influenza des Rassenhasses hat sich bei der Patientin auf edle Teile geworfen, auf Kopf und Herz zugleich." In der .Berliner Zeitung" wurde berichtet: „Zu dem Siege in Zschopau-Marienberg kommt eine Nachricht, die jede antisemitische Brust wohl noch höher schwellen lasten wird, als es irgend ein Wahlsieg vermöchte. Wie die deutsch-sozialen Blätter des Herrn Liebcrmann von Sonnenberg triumphierend berichten, hat Prinz Sizzo von Leutenberg, der zukünftige Fürst von beiden Schwarzburgs, in Bischofswerda den Abg. Gräfe besticht, um ihm nochmals, was er schon früher durch ein Telegramm getan hatte, seinen Dank und seine volle Zustimmung zu seiner Rede im Reichstage zum Ausdruck zu bringen. Der Prinz verweilte etwa eine Stunde in der Villa des Herrn Gräfe. Man denke, ein leibhaftiger P'.inz, wenn auch keiner von ganz ebenbürtiger Abstammung, weilt eine Stunde bei dem Moselwcinhändler und Blumenfabrikanten Gräfe. Eine ganze Stunde! Schade, daß der Phonograph nicht die zugleich geistvollen und patriotischen Gespräche der Mit- und Nachwelt überliefert hat, die die beiden Männer, die zweifellos gut zueinander passen, in dieser historischen Stunde gepflogen haben. Als sicher darf man wohl annehmen, daß Herr Gräfe die besten Marken feines Geschäfts — natürlich des Moselweingeschäfts — dem durchlauchtigen Gast vorgeführt hat. Wen» Herr Sizzo erst den Thron bestiegen hat, kann er sich ja revanchieren. Herr Gräfe ist weder adlig noch Kammerherr, noch hat er den plundrigsten Orden. Schier unbegrenzte Möglichkeiten eröffnen sich also für seinen hohen Gönner. Der Weizen des AntisemitismuS blüht wirklich und wahrhaftig. Man könnte ordentlich neidisch werden." Die „Staatsbürgerztg." ergänzt diesen Bericht durch die Mitteilung, daß der hohe Besuch bei Herrn Gräfe schon

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