Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 229 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 229 die Parole ausgegeben wird, alles Trennende zu unterlassen und nach der Solidarität aller deutschen Aerzte zu streben, hält cs ein Thcil der christlichen Aerzte für angezeigt, ihre jüdischen Kollegen einfach zu boykottieren. Diese auffallende Tatsache geht deutlich aus den nachstehenden Inseraten von Privatärzten hervor, die christliche Assistenten oder Vertreter suchen: In der Nr. 5 der „Münchener Medizinische Wochenschrift" vom 2. Februar 1904 sucht Dr. G. Liebe, Waldhof, Algershausen, Kreis Wetzlar, für seine Heilanstalt für Lungenkranke einen approb. christl. Assistenten, vr. Dietel in Zwickau für seine Privatsrauenklinik einen Assistenzarzt (Christ); vr. Wolf in Dresden II während seiner Rcconvalesccnz einen christlichen, in ällgem. Praxis etw. erfahrenen Assistenten. In der Nr. 6 derselben Zeitschrift vom 9. Februar d. Js. sucht das Sanatorium Berlin W sofort tüchtigen christlichen Assistenten; in der Nummer 10 vom 8. März sucht vr. Wüster in Dresden-Löbtau einen Assistenten, Christ, für die Praxis, vr. B. Lange, Straßburg i. E-, Postftr. 13, einen chirurgisch vorgebildeten Assistenzarzt unter Angabe über Studiengang, Familie und Religion; in der Nummer II vom 15. März die Heilanflalt für Gemüts- und Nervenkranke „Lindenhof" in Coswig bei Dresden einen christlichen Assistenzarzt mit etwas psychiatrischer Vorbildung, ferner vr. Freiherr von Sohlen für sein Sanatorium für Magen-, Darm- und Stosswechselkranke in Bad Ki (singen für die Saison einen christlichen Assistenten. — Wir veröffentlichen diese Namen in der Erwartung, daß die deutschen Juden sich dieselben einprägen und darauf hinwirken, daß diese Sanatorien die von ihnen bei den Aerzten gewünschte arische Reinheit auch bei den Patienten genießen, von Juden also gemieden werden. Die in Berlin erscheinende „Frauen-Rundschau" verweist daraus, daß in dem von Hans Priebe & Co. verlegtem Buche „Das Sanatorium der freien Liebe" eine sich unter dem Decknamen HanS Hermann verbergende Dame die Entdeckung zum besten gibt, daß Goethe samt seinen Dichtungen der orientalischen entarteten Kulfur zu überweisen sei, daß ein veijüdelter Geist in ihm lebe. Sie sagt: „Sieht man nun Goethe an: diese voi quellenden, dunkelbraunen Augen, diese an der Spitze gekrümmte Nase, diesen langen Oberleib mit den kurzen Beinen, welchen selbst ein leicht „wehmütiger" Zug nicht fehlt, dann haben wir ganz das Urbild eines Nachkommen AbrahaUtS vor uns. Goethe war Mischling durch das Blut seiner Mutter, und nicht nur in seinem Aeußeren prägt sich seine Abstammung von