Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Berlin
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 228 (sequence 3)
- Language
- German
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LL8 Im deutschen Reich. Vorsitzende des „Deutschen TurntageS", vr. Götz-Leipzig beantragte gemeinsam mit dem Stadtschulrat Rühl-Stetlin, „den zu dem Verbande der deutsch-freiheitlichen Turnvereine in Oesterreich zusammcngeschloffencnVereinen die Rechte und Pflichten eines Kreises mit der Bezeichnung 15 8 unter der Bedingung zu verleihen, dah der bieherige an den Streit und an politische Verhältnisse erinnernde Name des Verbandes in Wegfall kommt." Im Verlaus der Debatte, bei der Biermnnn-Wiener-Neustadt, den „völkischen" 15. österreichischen Turnkreis verteidigte, sagte vi. Götz: „Das beste wäre ja, wenn unsere österreichischen Freunde ihren Aricrparagraphen einfach aufheben würden. Es geht doch überall im deutschen Reiche, warum nicht in Oesterreich! Die Deutschen dort haben doch ganz andere Feinde als die paar Juden, die in österreichischen Turnvereinen sind. Aber diesen Weg wollen die Herren nicht gehen und deshalb muffen wir hier ein Notgesetz schaffen. Der Antisemitismus hat mit der Turnsache nichts zu tun. Der Unfrieden geht nicht von den Turnern, sondern von den Führern aus." Profeffor Hahn-Hamburg erklärte: „Es handelt sich in Oesterreich um Imponderabilien, die man nicht so leicht aus der Welt schaffen kann, aber in unserer deutschen Turnerschaft werden solche Bestrebungen keinen Widerhall finden. Darüber mögen sich die Oesterrricher keinerlei Täuschung hingeben. Die deutschen Turnplätze müssen vollständig neutral bleiben, weder Rang noch Stellung, noch auch die Unterschiede der Konfession dürfen hier Geltung haben." Im Verlaufe der sehr ausgedehnten Debatte über den „Arier-Paragraph" des 15. (österreichischen) TurnkreiseS erklärte u. a. Profeffor Kohlrausch.Hannover: „Die Herren aus Oesterreich wollen es so darstellen, als ob der Ausschluß mit Antisemitismus nichts zu tun habe. Ob sie damit Glauben finden werden, das bezweifle ich nach meiner Auffassung. Der 15. Turnkreis hatte nach meiner Ueberzeugung nach unseren Grundgesetzen garnicht das Recht, den Arier-Paragraphen einzuführen. Wir haben die Pflicht, zu helfen." Die Abstimmung ergab die Annahme des Ausschußantrages gegen 37 Stimmen von etwa 300, worauf Profeffor Kienmann-Wiener Neustadt erklärte: „Wir haben diesen Beschluß vorausgesehen, der sich gegen unser Selbstbestimmungsrecht wendet. Wir werden sofort einen außerordentlichen Kreisturntag etnberufen, der über unsere künftige Haltung Beschluß zu fassen haben wird." Die Antisemitenpreffe ist über diesen Beschluß des 8. Deutschen Turnertages völlig aus dem Häuschen und empfindet ihn als „einen Schlag ins Gesicht". In einer Zeit, in welcher von der Aerzteschaft mit aller Kraft