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Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 223

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-04-01
Page
223 (sequence 9)
Language
German
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Umschau. 223 wurden Reisende hinausgesandt, Anzeigen aufgegeben und die ganze Welt auf den Kopf gestellt. So lange man Leute fand, welche nie alle werden, ging die Geschichte. Wenn das Unternehmen jetzt vor seinem Zusammenbruch steht, so geht der Krug eben überall solange zum Brunnen, bis er bricht. Das bringen Sie in Ihrem Geschäft übngens auch fertig, wofern Sie nur die nötige Skrupellosigkeit und Dreistigkeit besitzen." Auch die österreichischen Antisemiten haben ihren „Faßhauer" gefunden, wenn auch dem Herrn Gregorig kaum die Absicht zuzutrauen ist, dem antisemitischen Faß in Wien den Boden zu durchhauen. Immerhin hat er die christlich-sozialen Antisemiten, welche das Gefolge des Bürgermeisters Lueger bilden und sich dafür entsprechend belohnen lasten, so gründlich kompromittiert, daß Lueger selbst in einer Wählerversammlung des Wiener Bezirks Neubau öffentlich berichtet, er habe Gregorig mit aufgehobenen Händen gebeten, er möge um Gotteswillen eine befriedigende Erklärung abgeben. Nach dem Berichte der „Reichswehr" fuhr der Wiener Bürgermeister dann fort: „Sie werden mir aber auch zugeben, daß er wie ein boshaftes Kind immer dagestanden ist, kein Wort gesprochen hat und insbesondere jede Antwort auf Fragen, die er hätte beantworten müssen, verweigert hat. Er hätte sagen sollen, wen er gemeint hat, und nicht pauschaliter verdächtigen. Aber im Bürgerklub bleiben und seine Klubkollegen in solcher Weise verdächtigen, ist absolut unzulässig. Man rennt nicht in einen kleinen Verein. Ich will da dem Antisemitenbund nicht nahetreten. Es waren ein paar unzufriedene Elemente, die geglaubt haben, sie sind Extra-Antisemiten, denen man immer zu wenig Juden frißt. Wenn man ein bischen kratzt, kommt schon ein bischen etwas anderes auch zum Vorschein bei diesen Patentantisemiten. Die Patentantisemiten sollen sehr ruhig sein; ich sage es Ihnen hier öffentlich, denn wenn mir einmal die Geduld reißt, dann reiße ich diesen Patentantisemiten die Larve vom Angesicht." Bei diesen gegenseitigen Entlarvungen müßten die Wiener eigentlich darüber klar werden, weß Geistes Kinder sämtliche „Judenfrester" sind, von deren Herrschaft sie sich goldene Berge versprochen, irgendwelche Segnungen aber noch nicht bemerkt haben. Darin, daß auch der österreichische Antisemitismus den Religionshaß mehr und mehr bei Seite läßt und dafür den Rassenhaß betont, vermögen wir keinen Nachteil zu erblicken. Dem Abgeordneten Or. Stransky, der sich seit langer Zeit zum Christentum bekennt und als enragierter Czeche agitiert, wird bei jeder Gelegenheit seine jüdische Abstammung vorgeworfen und der

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