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Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 222

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-04-01
Page
222 (sequence 8)
Language
German
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222 Im deutschen Reich. auch in den meisten anderen Verwaltungen jetzt gang und gäbe. Darin ist ein weit größeres Unheil zu erblicken als in den Treibereien der radikalen Antisemiten, die schließlich allen Beffcrgesinnten Abscheu einflößen. Daß diese Art von Geschäfts-Antisemitismus nicht mehr zieht, wird selbst von vielen Antisemiten anerkannt. Im März berichtete die „Sachscnschau" über eine nach Richardis großen Festsaal zu Magdeburg von dem „Deutschen Volksbund" einberufene öffentliche Versammlung, zu der im ganzen etwa 120 Personen erschienen waren: „Auf der Tagesordnung stand „Die Judenfrage als Rassenfrage" und „Das Judentum im Altertum und im Mittelalter", zwei Themen also, welche in Magdeburg nun nachgerade so abgedroschen sind, daß sie der jüngste Gesinnungsgenosse auswendig kennt. Ein Freund, der gehört hatte, daß die in Berlin neuerdings veranstalteten Ausgrabungen neues Material über diese Frage ans Licht gefordert hätten, besuchte die Versammlung ebenfalls, um sein Wissen zu bereichern. Er hörte aber auch nur wieder die schönen Vergleiche vom Hauptmann Rosenthal, dem Leutnant Levy, dem Feldwebel Tulpenthal und dem Unteroffizier Cohn, von der blutsaugenden Wanze, den Unterschied zwischen Tigern, Pferden, gewissen Europäern und den Hottentotten, also lauter Sachen, an denen man sich wohl einmal erbaut, aber beim vierten Male gesättigi dankt. Uns interessiert die Sache nur deshalb, weil solche Versammlungen unsere hiesige Bewegung dadurch schädigen, daß sie bei der Einwohnerschaft den Eindruck erwecken, als ob wir keine gut besuchte Versammlung mehr zu Stande bringen." Die „Sachsenschau" übersieht dabei, daß schließlich die oratorrschen Leistungen des Abg. Liebermann v. Sonnenberg in dem Parlament und des Grafen Pückler in den Berliner Versammlungen sich nicht allzusehr von denen des antisemitischen Deckosfiziers a. D. Hans von Mosch unterscheiden, dem nur die „konservativen Hintermänner" als dankbares Auditorium fehlen. Wenn Herr vr. Kropatschek von dem früheren Pastor Krösell verklagt wird, und der „Sachsenschau"' Redakteur Faßhauer die Geheimnisse des „Deutschen Volksbundes" ausplaudert, erfährt das große Publikum doch etwas Genaueres von den bedeutenden Männern, welche die „Imponderabilien" erzeugen, mit welchen die Leiter der Verwaltungen rechnen zu müssen glauben. Von einem dieser Großmeister berichtet Herr Faßhauer in seinem Briefkastens „Sie wundern sich, daß sich das Unternehmen solange gehalten hat. Wir wundern uns gar yicht. Der Inhaber ist nicht nur ein erstklassiger Mensch, sondern, was hier hauptsächlich in Betracht kommt, ein erstklassiges Pumpgenie. So oft 'neues Geld in daS Geschäft kam, trat ein verstärkter Betrieb ein. Da

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