Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 221 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 221 Regierung zum Ausreißen zu bringen", der Autfluß jener Gesinnung ist, welche das Blatt des Herrn Dr. Kropatschek für die unerläßliche Bedingung zur Führung einer soldatischen Truppe ist, scheint uns doch sehr zweiselhaft. Welche Figur der verabschiedete Offizier Graf Pückler spielt, der sich zu den Drahtziehereien der „Staatebürger-Zeitungs- Clique hergiebt und nur dadurch der strafrechtlichen Verfolgung entgeht, daß gewöhnlich der seine Vortragversammlungcn überwachende Polizeibeamte vor Gericht erklärt, nur einen erheiternden Eindruck empfangen zu haben, braucht nicht weiter erörtert zu werden. Wenn die „Staatsbürger-Ztg." erklärt, jüdische UnLcrosfiz-ere würden sich kaum den notwendigen Respekt bei ihren Untergebenen verschaffen, der Jude würde in jedem Dienstzweige eine lächerliche Figur spielen, so braucht man nur auf die große Anzahl deutscher Juden zu verweisen, die als Unterofsiziere sich bei Vorgesetzten und Untergebenen im Kriege wie im Frieden Achtung erworben haben und jetzt im Zivilstande als Beamte durch Pflichttreue die gleiche Achtung erwerben. Kein einziger von ihnen würde einen ähnlichen Heiterklitsausbruch entfesieln wie Gras Pückler bei feinen originellen Kavalkaden oder mystischen Prophezeihungen von dem nahe bevorstehenden Untergang der verderbten deulschen Reichshauptstadt. Von vielen jüdischen Unteroffizieren, die in dem Kriege von 1870/71 sich rühmlich geführt und dafür das Eiserne Kreuz erworben haben, nennen wir nur den Stadtrat Ludwig Rawitz in Gleiwltz, welcher die seltene Auszeichnung, das Eiserne Kreuz erster Klasse, als Unteroffizier der fünften Kompagnie des 64. Infanterie Regiments für seine Tapferkeit in den Kämpfen von Le Mans (6. bis 13. Januar 1871) erhalten hat. Daß dieses Beispiel kein vereinzeltes ist, konnte dem Kriegsminister nicht unbekannt sein, als er zu den gegen die jüdischen Soldaten gerichteten Witzeleien Liebermanns und Schmähungen Böcklins schwieg und unsere in durchaus patriotischem Sinne gehaltene Anfrage, ob es möglich, rötlich und nützlich sei, geeignete jüdische Knaben den Unterosfiziersschulen zuzuführen, mit einem höflichen Hinweis auf uns hinreichend bekannte Bestimmungen bezüglich der Kapitulationen beantwortete. Was nützen die liberalsten Bestimmungen, wenn ste in einer Weise gehandhabt. werden, die ihrem Sinne vollständig widerspricht? Die für die verfaffungsmäßig und gesetzlich verbriefte Gleichberechtigung der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens verhängnisvolle „Derwaltungspraxis* mit ihrer Zärtlichen Rücksichtnahme aus künstlich erzeugte, in der Hauptsache geradezu imaginäre „Imponderabilien" ist leider nicht nur in der Heeresverwaltung, sondern