Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 219 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau- 219 demokraten ganz gern haben würde, wenn sie nur so viel Religion im Leibe hätten, auf ihre jüdischen Führer loszudreschen und gegen das Judentum mit dem Schmiedehammer loszugehen. In einer zweiten Pückler-Versammlung hat der frühere Amtsvorsteher wörtlich gesagt: „Wie die Herren heute regieren, das ist keine Regierung; das ist Wurstelei, vor der kein Mensch Respekt haben kann." Der frühere Gardeoffizier und nahe Verwandte eines der höchsten Hofbeamten fügte hinzu: „Wenn ich in den Reichstag käme, würde ich unter diesen Umständen auch mit Bebel Fühlung nehmen, und wir würden den Herren von der Regierung die Wahrheit geigen, daß sie die Kränke kriegen und daß sie alle ausreißen." Nach den in den Straßen Berlins masienhaft verteilten Flugblättern, die besonders von der Jugend eifrig gelesen worden sind, hat Graf Pückler noch hinzugesetzt: „Wir würden dann, nämlich Herr Bebel und ich, der Regierung ganz gehörig aufs Leder rücken und würden manchem Herrn am grünen Tisch die Wahrheit pauken, so gewaltig und so sürchterlich, daß sie auf den Rücken fallen, oder daß ihnen die Schwarte knackt, oder daß sie überhaupt davonlaufen, und das wäre das allerbeste; (Heiterkeit) dann würden wir regieren und unser Regiment wäre garnicht so übel, m. H., jedenfalls sehr schneidig und sehr energisch, das versichere ich Ihnen, und die Juden, die würden sich auch sehr bald dünne machen. (Beifall)." In einer dritten Versammlung hat Graf Pückler sich wieder bei den Sozialdemokraten anzufreunden versucht, ihnen wiederum als Preis für seine Bundesgenosienschast die Judenhetze und die Bekehrung zum Pietismus empfohlen, aber dabei noch mehr als vorher den fanatischen Prediger gespielt, ohne daß jemand ihm etwa „Blasphemie" vorgeworfen hätte. Für den schlichten Mann des Volkes muß es unverständlich bleiben, wie man derartiges einem Edelmann gestatten kann, der zwar mit den ordinärsten Redensarten um sich wirft, aber doch Kreisen angehört, denen man mehr Verständnis dafür zutrauen darf, daß man die Religion herabwürdigt, wenn man in ihrem Namen zu den schlimmsten Roheiten auffordert. In einer der letzten Versammlungen richtete er unter dem tosenden Beifall der Menge einen Appell an die deutschen Studenten, sie sollten nicht zu den jüdischen Universitäts- Professoren, diesen .Jammerkerlen" in die Vorlesungen lausen, oder, wenn sie hingingen, sich vorher die Taschen mit faulen Aepfeln und Eiern vollstopfen. Daß selbst die anwesenden Organe der Behörden bei den „Kapuzinaden" Pücklers in die Ausbrüche der Heiterkeit einstimmen, welche seine heftigsten Ausfälle erregen, auch wenn sie sich nicht gegen Juden richten, beweist am besten, daß selbst für den Fall, daß mau