Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 218 (sequence 4)
- Language
- German
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213 Im deutschen Reich. unbekannte Kasseler Sozialdemokrat Hugo im Wahlkampf besiegt wurde durch den Hamburger Porzellanmaler Friedrich Raab. Dieser ist aber der schneidigste Knappe Liebermanns von Sonnenberg, und hat mit seinem Freunde Schack nicht nur einen großen Teil der in den Vororten Hamburgs wohnenden Unterbeamten für seine politischen Wühlereien empfänglich gemacht, sondern auch mit unleugbarem Geschick in dem deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Derband eine Organisation geschaffen, die mehr politischen als beruflichen Zwecken dient und nicht nur der deutschen Handelswelt, sondern auch ganz andern Kreisen künftig noch viel zu schaffen machen wird. Noch unverständlicher ist die Unterstützung, welche der alte antisemitische Rufer im Streit, Oswald Zimmermann, bei seiner Kandidatur im sächsischen Wahlkreise Zschopau-Marienberg in der Stichwahl durch die Konservativen und Nationalliberalen gefunden hat, nachdem sie ihm vergeblich bei der Hauptwahl den Bürgermeister Schanz als ihren Kandidaten entgegengestellt hatten. Aus purer Angst vor dem möglichen Erfolge des Sozialdemokraten Pinkau vergaßen diese Politiker vollständig, welche Rolle Oswald Zimmermann in der „Los von Rom"-Bewegung gespielt, und wie er als früherer Herausgeber der „Deutschen Wacht" die sächsischen Konservativen angefeindet und dadurch in vielen Fällen nur den Sozialdemokraten die Wege geebnet hat. Sie sahen auch darüber hinweg, daß die noch heute unter dem Einfluffe Zimmermanns stehende „Deutsche Wacht" die Aufregung über die Aufhebung des tz 2 des Jesuitengesetzes nur schürt, um gegen Preußen und gegen die Reichsregierung mit Erfolg eifern zu können. Das alles wird dem Mann verziehen, weil er ein so vorzüglicher „Antisemit" ist und das Vaterland vor der ungeheuren Gefahr der Vermehrung der sozialdemokratischen Mandate um eine ganze Stimme zu retten vermochte. Der Antisemitismus scheint wirklich ein Freibrief für alle möglichen Ausschreitungen zu sein. Ein liberales oder ein sozialdemokratisches Blatt würde eS nicht wagen können, wie dies am 23. März die „Deutsche Wacht" getan, ein „An Bülow" überschriebenes und Sophie von Leyel unterzeichnetes Gedicht zu veröffentlichen, das mit den Worten beginnt: „Nun gehe hin zum Papst und hol' Dir Deine Orden, im Herzen bist Du längst ja Römling schon geworden" und mit den Worten schließt: „Dir aber — Fluch und Schande!" Kein Angehöriger, einer anderen politischen Partei dürfte ungehindert durch den anwesenden Polizeibeamten, so wie es Graf Pückler Kl.-Tschirne am 21. März wieder in einer Berliner Bolksversammlnng getan hat, öffentlich erklären, daß er die Soziall