Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk, eine soziale Frage
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 213 (sequence 13)
- Language
- German
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Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk rc. 213 Druck in ihren Heimatsländern angenommene Lebensweise bei, die den Engländern und Amerikanern nichts weniger als sympathisch ist. Da man auch ihre Beschäftigung für die betreffenden Länder als nicht nutzbringend erachtet, namentlich da sie an solchen Orten, wo sie in einigen Berufen wie Schneider, Kürschner rc. massenhaft auftreten, die Löhne herunterdrücken und eingeborene Arbeiter verdrängen, so wird voraussichtlich die Einwanderung dieser Elemente mehr und mehr erschwert werden. Abgesehen von dem Gefühl der Menschlichkeit, sollten wir schon aus Egoismus alles tun, damit ein möglichst großer Teil der ruffischen und galizischen Juden für die Bodenkultur erzogen, also sozusagen exportfähig gemacht wird. Da dies bei Erwachsenen sehr schwierig, ja meistens aussichtslos ist, muß bei den Kindern begonnen werden. Die Havpthilfsaktion in Rußland und Galizien sollte darin bestehen, an allen Schulen Handfertigkeits¬ und Gartenbauunterricht einzuführen und einen Teil der schulentlaffencn Jugend in einigen Jahren dann in den praktischen Arbeiten der Bodenkultur weiter auszubilden. Junge Burschen von 14 bis 16 Jahren, welche die Kraft und Neigung für Landwirtschaft haben, finden in den Vereinigten Staaten und in Kanada leicht Arbeit, vr. Bernado, der in dem dicht bevölkerten Londoner Stadtteil Stepney eine große Anzahl verlaffener und verwahrloster Knaben erzieht, schickt diese im genannten Alter meistens nach Kanada, wo sie gern ausgenommen werden. Wenn junge Leute drüben ein paar Jahre auf dem Lande gearbeitet und die dortigen Verhältnisse kennen gelernt haben, können sie ihre Angehörigen hinüberkommen laflen, um mit diesen gemeinschaftlich eine Farm zu bearbeiten. Es würde zu weit führen und liegt auch nicht im Rahmen meiner heutigen Ansprache, mich darüber zu äußern, welche Länder außer den Vereinigten Staaten, Kanada und anderen englischen Kolonien bei der Auswanderung der osteuropäischen Juden noch in Frage kommen können. Außer Palästina, Syrien rc. sind, gewiß in bester Absicht, in letzter Zeit Kleinasten, sowie die an der anatolischen und Bagdadbahn gelegenen Ländereien, ferner Cypern und Ostafrika zwecks Kolonisation in Vorschlag gebracht worden. Einige, wenn nicht alle diese genannten Länder, sind wahrscheinlich zur Kolonisation geeignet, aber nur für solche Personen, die mit der Bodenkultur vertraut sind. Solche, die nichts von der Gärtnerei oder Landwirtschaft verstehen, können noch weniger in einem fremden Lande, mit einem ganz andere» Klima und anderen Kulturen als in ihrem Geburt-, lande, in diesen Berufen ihr Fortkommen finden. Bevor Geld für derartige, manchmal in den rosigsten Farben geschilderten Koloni-