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Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 214

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk, eine soziale Frage
Date
1904-04-01
Page
214 (sequence 14)
Language
German
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214 Im deutschen Reich. sationspläne bewilligt und von wohlwollenden Glaubensgenossen hergegeben wird, sollte man sich überzeugen, nicht allein ob diese Berichte wahrheitsgetreu und nicht gefärbt sind, sondern vor allem, ob geeignetes Menschenmaterial vorhanden ist. Als Grundlage einer jeden Kolonisation sollte man nicht das Land, in welchem, sondern das Menschenmaterial, mit welchem kolonisiert wird, betrachten. Andernfalls bleibt zu befürchten, daß die Leute aus ihrem Elend in ein noch größeres neues geraten. Als Rückwanderer werden sie dann an Leib und Seele gebrochen zurückkehren, wie wir sie ja leider schon häufig gesehen haben. Oder sie werden in der neuen Heimat elendiglich hinvegetieren und fortwährend an die Hilfe der westeuropäischen und amerikanischen Glaubensgenossen appellieren. Geschieht unsererseits nichts, so werden sie trotz Grenzsperre zu uns kommen, denn Hunger kennt keine Grenze, und wenn auch ein Teil von ihnen von Grenzwächtern erschossen werden sollte, so werden sie doch noch allzu zahlreich den Weg über fefc Schranken finden. Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch besonders davor warnen, ausländische oder inländische arme Studenten, die Landwirtschaft studieren wollen, ohne sich vorher durch Feld- und Gartenbau die nötigen praktischen Kenntniffe erworben zu haben, durch Stipendien oder in anderer Weise zu unterstützen. Solche jungen Leute, deren ich verschiedene in letzter Zeit kennen lernte, finden nach Vollendung ihrer Studien nur schwer eine Stellung, und wenn sie späterals Lehrer in einer jüdischen Ackerbauschulc angestellt werden, üben sie dadurch einen nachteiligen Einfluß auf die Zöglinge aus, daß sie ihnen zu viel theoretische und zu wenig praktische Kenntniffe beibringen. Um aber zum Schluß, meine Damen und Herren, auf Deutschland nochmals zurückzukommen, so wiederhole ich meine Mahnung: Lassen Sie uns alles, was in unseren Kräften steht, tun, um die Heranwachsende Jugend vom Klein- und Hausierhandel fernzuhalten. Laffen Sie es unser Bestreben sein, ihnen in der von mir erwähnten Weise Freude an der Ratur und Neigung zu körperlicher Arbeit anzuerziehen. Laffen Sie uns einträchtig mit unseren christlichen Mitbürgern darnach streben,. möglichst viele unserer Knaben, die sich dafür eignen, so heranzubilden, daß sie als tüchtige Handwerker helfen können, die hohe geachtete Stellung, die Deutschland heute im Kunsthandwerk und in der Industrie einnimmt, zu wahren oder daß sie durch Fleiß, Intelligenz und intensive Bebauung dem heimatlichen Boden möglichst viele Früchte «bringen, um uns dadurch vom Auslande unabhängiger zu machen, zu ihrem eigenen Wohle, zur Ehre des Judentums, zum Wohle und zum Segen des Vaterlandes.

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