Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk, eine soziale Frage
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 209 (sequence 9)
- Language
- German
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Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk rc. 2C9 von der Gärtnerei verstand, nicht vertragen und nahm dann Stellung in bedeutenden Gärtnereien, u. a. bei Benary in Erfurt, an. Im März vorigen Jahres bat uns ein Freund unserer Anstalt in Hannover, der viel Wert auf seinen Garten legt, ihm einen tüchtigen Gärtner zu empfehlen. Trotzdem sein Arbeitgeber ihn ungern misten wollte, nahm er auf unser Anraten die Stelle an. Sein jetziger Chef ist außerordentlich zufrieden -mit ihm und sagte uns, daß er seinen Garten seit 20 Jahren noch nicht in so ordentlichem Zustande gehabt habe, als es jetzt der Fall ist. Da der jetzt noch bei ihm arbeitende junge Mann, weil er ganz besonders tüchtig und arbeitsfreudig in seinem Berufe ist, zum Lehrgärtner ausgebildet werden soll, halten wir es für notwendig, ihn jetzt, nachdem er eine Zeit lang unter fremden Leuten gewesen ist, wieder für eine gewiffe Zeit nach Ahlem zu nehmen. Mit seinem jetzigen Chef hatten wir geradezu einen Kampf zu bestehen, damit er den jungen Mann wieder frei gebe. Bei dem großen Angebot von jungen Kaufleuten in Detailgeschäften und bei der vielfachen Verwendung von weiblichen Arbeitskräften, sind die Gehaltsverhältnisse in diesen Geschäften meistens schlecht. Ja auch in Bankgeschäften erhalten junge Leute, die eine höhere Schule besucht, häusig sogar solche, die ihr Abiturium gemacht und ihren Angehörigen viel Geld gekostet haben, meistens nur 1000 bis 1200 Mark Anfangsgehalt, selbst wenn sie schon 20 Jahr und darüber alt sind, wobei sie sich natürlich selbst beköstigen müssen. Wenn sie älter werden und sich nicht durch hervorragende Leistungen auszeichnen, steigt ihr Gehalt auch nur langsam. Das alles haben Sie ja reichlich Gelegenheit, am Platze selbst zu beobachten. Nun können Gärtnergehilfen glrichwie junge Kaufleute stellenlos werden. Der vermögenslose Kaufmann, der keine Verwandten oder Freunde hat, die ihn so lange bei sich aufnehmen können, bis er wieder eine Stellung gefunden hat, wird, wenn er seinen letzten Sparpfennig aufgezehrt und seine nicht absolut notwendige Garderobe verkauft und ebenso alles Sonstige verkauft und verpfändet hat, darauf angewiesen sein, sich Almosen zu erbetteln und wird dann, wenn er einmal soweit gekommen ist, in schäbiger Garderobe schwer wieder eine Stellung als Kaufmann finden. Anders der Gärtnergehilfe, der, wenn er krustig und arbeitswillig ist, in einer flauen Zeit durch seiner Hände Arbeit als Tagelöhner, als Fabrikarbeiter, oder in irgend einer anderen Weise sein Brot verdienen kann, bis er wieder in seinem Fache unterkommt. Hat er gute Zeugniffe, so achtet man nicht darauf, ob er gut oder schlecht gekleidet ist. Auch beim Militär wird ein kräftiger, tüchtiger Gärtner oder Handwerker, der sich infolge seines Berufes in mancherlei