Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 208

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk, eine soziale Frage
Date
1904-04-01
Page
208 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2316602-2316714-2316719-2333132--12325-2333191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

208 Im deutschen Reich. und auch bleiben, als ein in ungesunden Großstadträumen wohnender, mit steten Sorgen kämpfender Hausierer. Nicht nur mit eigener Kraft und eigener Arbeit wird er dem Staate nützen, sondern auch in seinen Kindern wird er ihm tüchtige Naterlandsverteidiger erziehen, denn die in schlecht ventilierten Wohnungen ausgewachsenen, schlecht ernährten armen Stadtkinder geben dem Staat ein sehr mangelhaftes Soldatenmaterial. Wenn Sie, meine Damen und Herren, ein klares Bild erhalten wollen von den Chancen eines Gärtners oder Handwerkers im Vergleich zu dem Kleinkaufmann, müssen Sie auch die Gehaltsverhältnisse und gesellschaftlichen Anforderungen von Gärtnergehilfen, Handwerksgesellen und Handlungsdienern zusammenstellen. Dabei ist zunächst festzustellen, daß inbezug auf die Kleidung und gesellschaftliche Repräsentation an den Gärtnergehilfen und Handwerksgesellen keinerlei Ansprüche gestellt werden, während der junge Kaufmann sich diesen Anforderungen, besonders inbezug auf die Kleidung, nicht entziehen kann. Das Gehalt eines jungen Gärtners, der nach Absolvierung der Volksschule mit 14 Jahren in die Lehre tritt, und der seine Lehre nach drei Jahren beendet hat, ist allerdings nicht hoch. Es beträgt gewöhnlich bei vollständig freier Station ca. 30 Mk. monatlich, also immerhin doch genug, um bei bescheidenen Ansprüchen ohne Zuschuß von anderer Seite existieren zu können. Ein einigermaßen tüchtiger Mensch kann dann nach Verlauf weniger Jahre auf ein Gehalt von 50 bis (30 Mk. bei vollständig freier Station rechnen. Besonders tüchtige Leute können es aber auck weiter bringen. Das mögen Sie aus einigen Beispielen ersehen. Ein junger Mensch aus Telgte in Westfalen kam nach Absolvierung einer gewöhnlichen Volksschule mit 14 Jahren in Ahlem in die Lehre. Nach Beendigung seiner Lehrzeit war er in verschiedenen erstklassigen Gärtnereien, Baumschulen, Gewächshauskulturen, Bindereien rc. tätig. Vor 1V* Jahren besuchte ich den jungen Mann in Düffeldorf, wo er, ca. 20 Jahre alt, eine Vertrauensstellung in einer Gärtnerei bekleidete und 150 Mk. monatliches Gehalt bezog. Seit Oktober vorigen Jahres dient er bei den Schwarzen Husaren in Danzig. Ein anderer junger Mann, gleichfalls mit Volksschulbildung, war vor seinem Eintritt beim Militär hier in Berlin bei Spaeth tätig und erhielt nach zweijähriger Militärdienstzeit die Friedhofsgärtnerstelle in Ratibor, die ihm ein für. fein Alter gutes und sicheres Einkommen bringt. Ein dritter war einige Zeit nach Vollendung seiner Lehre als Lehrgärtner in Repzin, konnte sich aber mit dem Inspektor, der später von der Fürsorgekommisston entlassen wurde und der nichts

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.