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Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 207

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk, eine soziale Frage
Date
1904-04-01
Page
207 (sequence 7)
Language
German
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Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk rc. 207 scheiden zu sein, darf ich wohl behaupten, daß sie jetzt sowohl in jüdischen wie in nichtjüdischen Kreisen in hohem Ansehen sieht. Trotzdem uns namentlich anfangs manches mangelhafte Schülermaterial Zugeführt wurde, da viele noch die irrige Ansicht hegen, daß alle Knaben, die für andere Berufe untauglich, für den eines Gärtners noch immer zu gebrauchen seien, erhellt aus den hier im Saale kursierenden .Mitteilungen des Vereins ehemaliger Ahlemer", daß die meisten unserer Zöglinge ein gutes Fortkommen gefunden haben. Unsere Anstalt hat aber nicht nur den Zweck, eine Anzahl tüchtiger Gärtner rc. auszubilden, sondern sie will auch eine Anzahl tüchtiger Lehrgärtner für ähnliche Institute innerhalb und außerhalb Deutschlands heranbilden, wie einige bereits in Rußland und Galizien erfolgreich tätig sind. Sie soll ferner als Mufteranftalt behufs Verbreitung dieser Bestrebungen für die gesamte Judenheit dienen und hat auch nach dieser Richtung schon gewirkt, wird dies aber in noch größerem Umfange in nächster Zeit tun. Einen genauen Betriebs-, Arbeits- und Unterrichtsplan unseres Schulgartens haben wir dem Baron Hirsch-Komitee in Wien auf dessen Ansuchen eingesandt und bereits mehrere Lehrer dieser in Galizien segensreich wirkenden Gesellschaft auf längere Zeit in Handfertigkeit, Gartenbau und unserer allgemeinen Erziehungsmethode unterwiesen. Wie ich bereits angeführt habe, liegt es im Interesse der Gesamthnt, daß stets der Grund und Boden möglichst intensiv bearbeitet wird, damit wir in Deutschland einen möglichst großen Teil unserer Lebensmittel, namentlich die teueren Bodenprodukte, wie Gemüse, Obst rc. aus unserem eigenen Lande beziehen können und vom Auslande mehr und mehr unabhängig werden. Bei den fortwährend besser werdenden Derkehrsverhältniffen ist es daher möglich, noch in verhältnismäßig großen Entfernungen von den Volk, reichen Städten, wo Grundbesitz noch nicht zu teuer ist, Gartenbau zu betreiben und die Produkte in tadellosem Zustande auf den Markt zu bringen. Wenn also junge, arbeitswillige Leute, nachdem sie sich die nötige Erfahrung erworben, mit geringen Mitteln sich in diesem Berufe selbständig machen können, ergibt sich die Frage: Wie ist die ökonomische und soziale Lage dieser Gärtner, die Gemüse-, Obstbau, Blumenzucht rc. betreiben, im Verhältnis zu anderen Berufsarten? Sie werden mit mir wohl darin übereinstimmen, daß ein solcher Mann eine sozial geachtelere Stellung einnimmt und eine ruhigere und gesichertere Existenz hat, als in heutiger Zeit ein unglücklicher Hausierer oder Kleinhändler. Abgesehen hiervon wird ein fortwährend im Freien arbeitender Gärtner mit seiner Familie gesünder und kräftiger werden

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