Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk, eine soziale Frage
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 205 (sequence 5)
- Language
- German
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Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk rc. 205 hoch belastet ist. Hingegen kann er recht gut existieren, falls sein kleines Besitztum nicht allzu verschuldet ist, wenn er intensiv wirtschaftet, sich alle Erfahrungen der Neuzeit zunutze macht und auch die Nebenbetriebe der Landwirtschaft, die Geflügel- und Bienenzucht, Obst- und Gemüsebau n. mit berücksichtigt. Ein junger Mensch, der geringes oder gar kein Vermögen hat und sich in Deutschland in der Bodenkultur selbständig machen will, tut bester, wenn er sich der intensiven Bodenkultur, wie Obst- und Gemüsebau und anderem gärtnerischen Betrieben widmet, als den mehr extensiven, also landwirtschaftlichen. Der Ankauf eines, wenn auch nur kleinen, Bauerngutes erfordert ein für ihn unerschwingliches Kapital, und wenn ihm auch ein solches von einer hierzu extra begründeten Gesellschaft geliehen würde, so würde es ihm doch schwer fallen, die Zinsen aufzubringen, abgesehen davon, daß es bei den großen Ansprüchen, die heute in Deutschland an die jüdische Wohltätigkeit gestellt werden, schwer fallen dürste, ein genügend großes Kapital zu beschaffen, um eine nennenswerte Anzahl vermögensloser Bauern selbständig zu machen. Anders verhält es sich mit der Gärtnerei. Ein intelligenter, fleißiger Gärtner kann, wenn er nicht das Geld hat, ein Eigentum zu erwerben, sich einige Morgen Land in der Nahe einer Stadt auf längere Zeit pachten, dort Obst- und Gemüsebau oder andere Zweige der Gärtnerei betreiben und dabei sein Auskommen finden. Bei derartigen Betrieben kommt die Intelligenz mehr zur Geltung als bei der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, wie Körnerbau :c., und da, wie bereits erwähnt, die Großwirtschaft beim Körnerbau die Handarbeit größtenteils durch Maschinen ersetzt, so kann der Kleinbauer bei diesen rem landwirtschaftlichen Betrieben nur dann erfolgreich mit dem Großbesitzer konkurrieren, wenn er eine geringe Schuldenlast hat und mit Frau und Kind emsig arbeitet. Da beim Großbetrieb häufig durch tieferes Pflügen mittelst Dampf- oder elektrischen Pfluges größere Abwechselung in der Fruchtfolge und durch Anwendung manch anderer Hilfsmittel, die dem Kleinbauern aus diesem oder jenem Grunde nicht zu Gebote stehen, ein größerer Ertrag pro Morgen erzielt werden kann, so mag unter Umständen vom volkswirtschaftlichen Standpunkte aus im Interesse des Staates — also der Allgemeinheit —, der Großbetrieb in der eigentlichen Landwirtschaft wünschenswerter als der Kleinbetrieb sein. Im Interesse unseres Vaterlandes ist es, wenn ein möglichst großer Teil der Volksnahrungsmittel im Lande selbst produziert wird. So lange nun noch so viele Millionen Geld für frisches Gemüse und Obst ins Ausland geschickt werden, ist