Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk, eine soziale Frage
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 204 (sequence 4)
- Language
- German
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204 Fm deutschen Reich. zu umgehen, wie, wenn auch nicht immer mit bestem Erfolge, beispielsweise das Militär angewiesen ist, möglichstviel direkt vom Landwirt zu kaufen. Nicht nur in den Städten, sondern auch in den Dörfern und auf den Gutshöfen werden meistens die Hausierer als eine Landplage empfunden; gleich den Bettlern durch Plakate und wenn es sich um jüdische Hausierer in antisemitisch verseuchten Gegenden handelt, manchmal auch durch drastischere Mittel von der Schwelle fern gehalten. Da drängt sich uns die Frage auf: Welche Berufsart sollen jüdische Knaben, namentlich Kinder minder begüterter oder armer Eltern, wählen? Auf diese Frage möchte ich nach sorgfältiger Prüfung der einschlägigen Verhältnisse antworten: Falls irgendwelche Veranlagung vorhanden ist, soll der Knabe sich einem Handwerk oder der Bodenkultur zuwenden. Nun können Sie einwenden, das Handwerk habe seinen goldenen Boden verloren. Allerdings gebe ich zu, wie die meisten Erwerbsverhältniffe haben auch manche Zweige des Handwerks sich anders gestaltet im Vergleich zu früheren Zeiten. Viele Gebrauchsgegenstände, welche der Handwerker früher in seiner Werkstatt mit seinen Leuten anfertigte, werden jetzt fabrikmäßig mittels Maschinen so billig hergestellt, daß der Handwerker mit seiner Handarbeit nicht mehr konkurrieren kann. Dagegen kann er, wenn er intelligent ist und sein Handwerk versteht, durch Anschaffung von Hilfsmaschinen und durch Benutzung von Gas und Elektrizität als Betriebskraft, in vielen Artikeln erfolgreich mit dem Großbetrieb in Wettbewerb treten. Namentlich aber haben tüchtige Kunsthandwerker bei dem gesteigerten Wohlstände mehr als je Gelegenheit, lohnende Aufträge zu erhalten. Der wohlhabende und reiche Mann will nicht die in Fabriken hergestellten Duhendartikel in seinen Räumen haben, sondern zieht es meistens vor, sich dieselben nach Zeichnung von einem tüchtigen Kunsthandwerker anfertigen zu lassen. Wahrend also es dem wenig intelligenten Handwerker heutigen Tages manchmal schwer wird, sich selbständig zu machen und er daher gezwungen ist, als Fabrikarbeiter sein Leben zu fristen, kann der tüchtige intelligente Handwerker jetzt, nachdem die Zunftschranken nicht mehr in dem Maße wie früher existieren, leichter als ehemals sich eine auskömmliche Existenz schaffen. Aehnlich finden Sie die Berhältniffe in der Bodenkultur. Der Kleinbauer, der seinen alten Schlendrian geht und ausschließlich Körnerbau treibt, kann manchmal mit dem Großgrundbesitzer, der bei seinem Betriebe überall Maschinen zur Hilfe nimmt, nur schwer konkurrieren, namentlich, wenn sein Grundbesitz noch mit. Schulden