Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk, eine soziale Frage
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 203 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Erziehung zur Bodenkultur und zum Handwerk rc. 203 Unterrichts schaffensfreudige, tatkräftige Männer. Das Selbstgefühl wird bei dem Knaben geweckt, wenn er einen brauchbaren Gegenstand in möglichst vollendeter Form aus Pappe, Holz oder Metall selbständig hergestellt oder Gemüse, Blumen h. durch eigene Arbeit produziert hat. Außer den Fähigkeiten der Knaben werden wir bei der Berufswahl aber auch zu erwägen haben, welche Berufe die meiste Aussicht auf Erfolg haben. Hier ist das Interesse des Staates mit dem Interesse des einzelnen identisch. Gegen das Interesse beider ist es selbstredend z. B., wenn der einzelne einen Beruf erwählt, der schon überfüllt ist, es sei denn, der Betreffende habe hervorragende Veranlagung dazu. Wie wir alle wissen, sind die Beamtenkarrieren, höhere wie niedere, sowie die Militärlaufbahn in Deutschland, wenn auch nicht durch die Verfassung, so doch durch die Praxis den Juden so gut wie verschlossen Die Gelehrtenberufe, wie die der Anwälte und Aerzte sind überfüllt Wir alle wissen auch, daß Hausier- und Kleinhandel, durch den bis vor wenigen Jahrzehnten der überwiegende Teil der Juden seinen Unterhalt erwarb, durch die wirtschaftlichen Verhältnisse der Neuzeit, als da sind: große Warenhäuser, Konsumvereine rc. immer mehr ausgeschaitet werden. Daß die Juden nicht aus freiem Antriebe sich den Handel und das Geldgeschäft gewählt haben, sondern daß sie, wenn sie nicht verhungern wollten, auf diese allein angewiesen und von allen anderen Berufen gesetzlich ausgeschlossen waren, ist sattsam bekannt. Das Geld- und Bankgeschäft hat längst aufgehört, die ausschließliche Domäne der Juden zu sein, und, abgesehen von der Reichsbank, bei der meines Wissens kein einziger Jude angestellt ist, gibt es auch andere große Banken, selbst vorwiegend von Juden begründete, welche nur ausnahmsweise Juden ansteüen. (Hört! hört!) Der Hausier- und Kleinhandel ist weder fir den einzelnen so nutzbringend, noch für die Gesamtheit so erwünscht, wie vor Jahrzehnten. Früher, wo die Bewohner der kleinen Plätze, namentlich die der einzelliegenden Gutshöfe nur selten in die Stadt kamen, war der Hausierer, der die nötigen Waren und außerdem noch Neuigkeiten aus der Stadt brachte, ein gern gesehener Gast und nicht selten auch der Vertrauensmann der Gutsbesitzer, der alle Geschäfte in der Stadt durch jenen besorgen ließ. Jetzt, bei der Leichtigkeit und Schnelligkeit des Verkehrs, ziehen Dorfbewohner und Gutsbesitzer es vor, in die nächste Stadt zu fahren, um dort unter Umgehung des Kleinkaufmannes und Hausierers selbst ihre Einkäufe zu machen und dabei andere Geschäfte abzuwickeln. Ueberhaupt sucht als Ergebnis der wirtschaftlichen Entwickelung der Produzent sich den Konsumenten immer mehr und mehr zu nähern und die Mittelperson