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Im deutschen Reich · 1904-04-01 · Heft 4 (April 1904) · p. 197

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 4 (April 1904)
Article
Die Juden als Soldaten
Date
1904-04-01
Page
197 (sequence 9)
Language
German
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Die Juden als Soldaten. 197 Marsches nach Wesel desertierten 17 Unteroffiziere, 6 Spielleutc, fi.ll Gemeine. Aus diesem Beispiel kann man auf dir sonst stattgcfundenen Desertionen schließen." Die „durch Gewohnheit unkriegerischen" Ostfriesen petitionierten um Verringerung der Mannschaften, wegen Stellvertretung und Befreiung vom Dienste gegen Geldbeiträge — genau wie einzelne Judengemeinden. Im Paderbornschen kommen wider die Renitenten Zwangsmaßregeln im vollsten Maße zur Anwendung. Ueber Neustettin (in Pommern) wird berichtet: „Die Aushebung, welche sofort beginnen sollte, stieß in diesem Kreise auf so ernste Hindernisse, wie wir solche in keinen andern Orte der Monarchie bisher kennen gelernt haben, in n Dorfschaften stieß das Losungsgeschäft, oft sogar auf offenen, gewaltsamen Widerstand." Uebrigrns wurde auch den Mennoniten mit königlicher Genehmigung die Befreiung vom Eintritt in die Landwehr bewilligt gegen ein Loskaufgeld von 6033 Talern (pro Mann 33 Taler 30 Groschen). Ferner hatte der Landwehrausschuß gerade über den jetzt von vr. Böckler vertretenen Kreis berichtet, daß infolge der unter polnischer Herrschaft eingerissenen Degeneration der westpreußischen Juden vielfach ärztliche Gründe ihre Befreiung von der Landwehraushebung rechtfertigten. Trotzdem berichtet die Geschichte der Landwehr: „An Freiwilligen stellten sich in diesem Kreise (Deutsch-Krone), meist zur Kavallerie, 163 Mann, darunter I I Juden." Dabei hatte die jüdische Bevölkerung — das heißt Inländer mit Staätsbürgerrecht — in Preußen im Jahre 1.^II überhaupt betragen rund 30 000 Seelen oder nach der von Dr. S. Neumann durchgesehenen Tabelle von 181 l genau 29 538 Seelen Kein Geringerer als Theodor Fontane, der Dichter der Mark, berichtet in seinem Werke: „Der deutsche Krieg von 1866" (Band l, Seite 143), an dem die Juden schon in ansehnlicher Zahl teilnahmen, daß sich vielfach die jüdischen Glaubensgenossen während des Feldzuges ausgezeichnet hätten. „Es war, als ob sie sich das Wort gegeben hätten, der alten Vorstellung von ihrer Kriegsunlust und -Untüchtigkeit ein Ende zu machen." Und derselbe Schriftsteller, der in so begeisterter Weise den märkischen Adel verherrlichte, sah sich veranlaßt von Angehörigen dieses Adels zu berichten, daß sie im Jahre 1813 die größte Kriegsunlust bekundete«. In dem Buche „Fünf Schlösser", Altes und Neues aus der Mark Brandenburg, von Theodor Fontane, wird auf Grund eines Briefwechsels Friedrich Leopold von Herteselds mit feiner Tochter, Alexandrine Gräfin Dankelmann, aus dem Jahre 1813 u. a. folgendes berichtet:

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