Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Juden als Soldaten
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 198 (sequence 10)
- Language
- German
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101 Im deutschen Reich. „Es war des alten Freiherrn allerschweifte Zeit. Eine (uofic Begeisterung hatte das Land erfaßt, alles, was Waffen tragen konnte, trug sie, selbst Kinder traten ein, und der damals l 8 jährige Karl v. Hertefeld empfand wie seine Genoffen, wie die Jugend überhaupt. Aber der Vater, in grenzenloser Liebe zu dem einzigen Sohne, mochte von diesem „Mitgehen" nichts wissen, das ihm vielfach als ein „Mitlaufen" erschien, und entschied sich endlich dahin, ein Immediatgesuch an den damals in Breslau weilenden König zu richten. Er hob in demselben hervor, daß der Eintritt seines Sohnes in die zum Kampfe gegen Frankreich ausziehende Armee die Konfiskation seiner rheinischen Güter unmittelbar im Gefolge haben würde, bat deshalb um vorläufige Zurückstellung und verpflichtete sich gleichzeitig, behufs Equipierung anderer Freiwilligen, eine Summe von eintausend Talern einzuzahlen. Es währte geraume Zeit, ehe ein Antwortschreiben eintraf. Endlich kam es, aber nicht aus dem Kabinet, sondern aus dem Ministerium, und — ablehnenden Inhalts. „Es sei kein Grund vorhanden, in dem vorliegenden Falle die militärische Verpflichtung aufzuheben." Unser alter Freiherr war wie niedergeschmettert, und in einem Zustande völligen Außersichseins schrieb er an seine Tochter Alexandrine: „Das mit so vieler Ungeduld von mir erwartete Schreiben empfing ich eben. Es ist leider, statt vom Könige, vom Staatskanzler unterzeichnet. Also so weit sind wir gekommen, daß einen der König nicht mehr einer Antwort würdigt, so weit, daß man die Hardenberg'schen Meinungen als königliche Resolutionen annehmen muß. Auf die Gründe meiner Vorstellung ist gar nicht attendieret, sondern nur einfach ausgesprochen worden, daß ein Besitz von Gütern im Clevischen eine solche Befreiung vom Dienst nicht zulaffe. Zorn und Aerger über die Behandlungsart, dazu Wehmut über die Auslieferung meines einzigen SohneS, durchkreuzen meinen Kopf, und ich kann Dir nicht sagen, wie sehr ich affiziert bin. Aber eins will ich aussprechen, ich empfinde eine Verachtung gegen den Resolutions-Geber, die mir unauslöschlich in der Seele bleiben wird. In meinem Nächsten meid ich Dir, was für Maßregeln ich zu nehmen gedenke." So dachten und handelten die preußischen Juden nicht. Daß jüdische Soldaten sich in den Befreiungskriegen wacker gehalten und auch später im Frieden die Front nicht verunziert haben, beweist eine amtliche Denkschrift der königlichenpreußischen Regierung an den vereinigten preußischen Landtag von 1847, welche den Juden in fast allen Armeekorps ein vorzügliches Zeugnis ausstellt und zu folgendem Schluß kommt: