Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Juden als Soldaten
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 196 (sequence 8)
- Language
- German
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196 Im deutschen Reich tage auch der antisemitische Abgeordnete Böckler die im Widerspruch mit allen amtlichen Berichten und Denkschriften stehende Behauptung aufstellen, die Juden hätten sich in den Freiheitskriegen zum größten Teil vom Kriegsdienst losgekaust. Tatsächlich ist 1813 nur von den Juden Westpreußens ein solcher Antrag gestellt und von den Kreisausschüfsen wegen fühlbaren Geldmangels angenommen worden. Es war der Vater des verstorbenen Justizministers Friedberg und des 1892 verstorbenen Berliner Stadtrats Eduard Friedberg, Kaufmann Friedberg, der als Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Märkisch.Friedland sein Gesuch mit folgenden Worten begründete, die Herr vr. Böckler im Reichstag in einem ganz'anderen Sinne zitierte: „Ich würde mich diesem Gesuche garnicht unterzogen haben, wenn ich nicht völlig überzeugt wäre, daß bei jetzigen Zeiten feige Memmen garnichts, dagegen 10 000 Taler bar sehr viel helfen können." König Friedrich Wilhelm III. erklärte sich mit diesem Arrangement einverstanden. Auch andere Bevölkerungsklassen zahlten diese „Wehrsteuer". Die Organisation der Landwehr stieß damals nach den eigentümlichen, durch innere und äußere Zustände bedingten Verhältnissen, welche dem großen Werke entgegentraten, in anderen Landesgebieten als dem von vr. Böckler erwähnten westpreußischen Bezirk noch auf viel größere Schwierigkeiten. In der von der historischen Abteilung des großen Generalstabs herausgegebeuen Geschichte der Landwehr wird berichtet: Im Kreise Niedcrbarnim liefen eine Menge Petitionen um Loskauf ein. (Militär- Wochenblatt, Beilage 1857, Seite 34.) Aus Potsdam berichtet Polizeidirektor Flesche „von dem Widerwillen gegen diese Einrichtung", von den ungebührlichen Demonstrationen vieler Landwehrmänner, „die den Eid selbst nicht abgeleistet und ihre,Umgebungen während des Schwures zu einer ähnlichen Handlungsweise ermuntert." Der Bericht fügt hinzu: „Schmerzlich ist es mir, dies von den Einwohnern einer Stadt sagen zu müssen, die sich der Gnade Sr. Majestät von jeher in ganz vorzüglich hohem Grade zu erfreuen hatte." In Brandenburg hatten von 298 Einberufenen 80 reklamiert. Aus Demmin, aus dem Münsterschen und aus der Grafschaft Tecklenburg wird über die große Zahl der Deserteure und Refrakteure geklagt. Ueber das vierte westfälische Landwehr-Jnfanterie-Regimrnt aus dem Münsterschen, das eine Stärke von 74 Offizieren, 239 Unteroffizieren, 52 Spielleuten und 2809 Gemeine» hatte, heißt eS in dem Generalstabsbericht: „In der zweiten Hälfte de- Juni wurde daS Regiment nach Wesel verlegt, woselbst es bis zum Ausbruch deS Krieges von 1815 verblieb. Während des