Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Juden als Soldaten
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 194 (sequence 6)
- Language
- German
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194 Im deutschen Reich begegnen pflegt. Mit seiner Statistik, die er selbst als etwas weit zurückdarierend bezeichnete, hatte Liebermann noch weniger Glück; da sie weit mehr Breite als Tiefe hatte, wurde er von dem Vizepräsidenten dringend ersucht, sie abznkürzen. Sein letzter Versuch, aus dem bei der Stichwahl von dem Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens verbreiteten Flugblatt Kapital zu schlagen, mißglückte ebenfalls, denn selbst die meisten Konservativen muffen davon überzeugt sein, daß jenes Flugblatt nur den patriotischen Zweck hatte, einen weiteren demagogischen Helfershelfer Liebermanns von dem Reichstage fernzuhalten. Am Schluffe der Sitzung revozierte Liebermann in Form einer persönlichen Bemerkung in der Hinsicht, daß er die Richtigkeit der statistischen Angaben Eickhoffs keineswegs bezweifelt, sondern sich nur eine Nachprüfung derselben Vorbehalten habe. Ganz wohl mag Herrn Liebermann von Sonnenberg bei seiner antisemitischen Standrede auch nicht gewesen sein, denn diese Rede war reich an auffallenden Widersprüchen. Im Laufe derselben war ihm auch ein Bekenntnis entschlüpft, das mit seinen die jüdischen Soldaten verhöhnenden übrigen Bemerkungen in schroffstem Widerspruch stand. Er hatte nämlich gesagt: „Daß Ausnahmen stattfinden, weiß ich, und ich kann von meiner Person bestätigen, daß ich in den dreizehn Jahren meiner Soldatenzeit auch einmal einen ganz ausgezeichneten jüdischen Offizier kennen gelernt habe. Das gestehe ich unumwunden zu. Der eine, den ich erwähne, war eine wahre Perle von Soldat; er hatte sich auch schon im Feldzug bewährt und trug mit Recht das Eiserne Kreuz." Auch der nachträgliche Eindruck seiner Angriffe gegen die jüdischen Soldaten muß ihm sehr unangenehm gewesen sein, da er das „Berliner Tageblatt" um Aufnahme nachstehender „Berichtigung" ersuchte: „Im Sprechsaal Ihres Blattes (Nr. 128 a) findet sich unter der Überschrift: „Die Juden im Heere" eine anonyme Zuschrift, worin unter beleidigenden Ausfällen gegen mich behauptet wird, daß ich in meiner Reichstagsrede vom 7. März gesagt haben soll: „ich hätte noch niemals einen tüchtigen jüdischen Soldaten gesehen" und ferner: „die an Juden verliehenen Ehrenzeichen, insbesondere das Eiserne Kreuz, wären gewöhnlich — „Liebesgaben" gewesen. Beide Behauptungen sind völlig aus der Luft gegriffen, wie das amtliche Stenogramm, Seite 1608, Spalte 1, beweist. Ich habe im Gegenteil sogar anerkannt, daß ich einen ganz außerordentlich tüchtigen' jüdischen Reserveoffizier kennen gelernt hätte. Den Ausdruck „Liebesgaben" habe ich überhaupt nicht gebraucht und auch keine Redewendungen mit ähnlichem Sinne ausge-