Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 4 (April 1904)
- Article
- Die Juden als Soldaten
- Date
- 1904-04-01
- Page
- 191 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Juden als Soldaten. INI keinen Erfolg. Ein Recht der Beschwerde über verweigerte Beförderung besteht nicht, und wenn eine solche Beschwerde überhaupt beantwortet wird, besteht die Antwort in der allgemeinen Behauptung, daß der Uebergangene sich nicht zum Offizier eigne. Diese Ecfahmng hat nun auch der Mann gemacht, der, selbst Offizier und Ritter des Eisernen Kreuzes, den Mut hatte, für seinen übergangenen Sohn Beschwerde zu erheben. Daß kein Jude geeignet sei, eine Stelle als Offizier zu bekleiden, ist an sich eine ungeheuerliche Behauptung; es ist angesichts der Erfahrungen, die man in Krieg und Frieden gemacht hat, eine Behauptung, die nur der fanatische Glaubens-- oder Rassenhaß zu erheben vermag. So bleibt nur die Schlußfolgerung übrig, daß ein Gegensatz besteht zwischen der verfassungsmäßig verbürgten und gesetzlich scstgestellten Rechtsregel, daß alle Stellungen im Reich und Staate den dazu Befähigten ohne Unterschied der Konfession zugänglich seien, und der Handhabung dieser Rechtsregel im praktischen Leben. Ein solcher Zustand verletzt aber den Satz, auf dem alles staatliche Leben beruht, daß die Gerechtigkeit die Grundlage der Staaten ist. Und wir bedauern und verurteilen diesen Gegensatz nicht nur im Interesse derer, die unter der Ungerechtigkeit leiden, sondern auch im Jntereffe des Reiches selber und seines Ansehens." Die „Berliner Zeitung" schrieb: „Der Herr Kriegsminister hat in seiner sogenannten Erklärung ausgeführt, „er kenne es den Betreffenden nur anheimgeben, den Gesehen entsprechend zu verfahren." Von dieser Anermahnung an die „Betreffenden" werden die Betroffenen nichts haben. Sondern die Betreffenden werden denken: Das ungeschriebene Wort als solches lassen wir stahn, — und werden gewiß sein, daß sie keine Unbill darum empfahn. Es wird alles beim alten bleiben. Ist der Kaiser stark genug, mit den Ballin und Rathcnau, Simon und Goldberger, Löwe und Sommer verkehren zu können, so ist die Armee doch nicht stark genug, jüdische Reserveoffiziere oder gar jüdische Offiziere zu ertragen. Natürlich ist niemals die Tatsache, daß ein Einjähriger Jude ist, Grund dafür, daß er zurückgesetzt wird. Der wirkliche Grund der Ablehnung — die Gründe muffen nämlich bei der Ablehnung angegeben werden — bleibt versteckt; „Farben tragen" heißt nicht immer „Farbe bekennen", .lustiti» kunäLwentum ressnorum — die Gerechtigkeit ist die Grundlage der Staaten!" — In ähnlichem Sinne sprach sich die „Freisinnige Zeitung" aus: „Wenn der Kriegsminister im Reichstag auf die Anfragen der Abgeordneten Eickhoff und Dr. Müller-Meiningen sich darauf beschränkte, zu erklären, daß es weder gesetzliche noch Der-