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Im deutschen Reich · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. 181

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
[Ohne Titel]
Date
1904-03-01
Page
181 (sequence 9)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 181 haben stets ihre volle Schuldigkeit getan. Ich habe vor mir eine genaue Liste von 125 jüdischen Soldaten, die 1813 und 1815 mitgekämpft haben. Davon sind 19 gefallen, 6 verwundet, darunter einer tödlich, 17 haben das Eiserne Kreuz, 2 einen russischen Orden. Von 4292 Namen jüdischer Soldaten, die den Krieg 1870/71 mitgemacht haben, erhielten 327 das Eiserne Kreuz, 2 das Eiserne Kreuz l. Klasse, 84 andere Orden. Viele Kriegsschriftsteller erkennen durchaus an, daß die jungen Männer jüdischen Glaubens ihre Waffe stets mit Ehren geführt haben. In einer Denkschrift des preußischen* Ministers des Innern wird dasselbe konstatiert, und 57 Jahre später diese Intoleranz der Militärbehörden gegenüber jungen Leuten jüdischen Glaubens! Ich halte den Kriegsminister für einen vorurteilslosen Mann. Um so mehr erwarte ich von ihm, daß er jenen Grundsätzen religiöser Duldung nachgibt, die seit Jahrhunderteu im Hohenzollernhause geherrscht haben. Ich bitte den Kriegsminister, den ich sür vorurteilsfrei halte, an seinem Teil dafür zu sorgen, daß solche Vorkommnisse wie beim 2. Schlesischen Grenadierregiment in Breslau, dessen Chef Kaiser Friedrich war, nicht wieder Vorkommen, daß man vielmehr in jeder Weise sucht, unsere jüdischen Mitbürger nicht wegen ihres Glaubens von dem Offizierberuf auszuschließen." Im Reichstage ist aus diese dankenswerten Anregungen zunächst nicht weiter reagiert worden. Am 7. März aber hat Abg. Liebermann von Sonnenberg den Eindruck der Eickhoff'schen Rede durch wohlfeile antisemitische Mätzchen abzuschwächen versucht, aber damit nur bei einigen konservativen Abgeordneten Beifall gefunden. Die Mehrheit des Hauses wurde dieses nur für die ^Antisemitische Korrespondenz" geeigneten Breies so überdrüssig, daß der Vizepräsident Dr. Paasche den Redner ersuchen mußte, auf diese Fragen nicht weiter einzugehen. Daß Liebermann seinen rednerischen Mißerfolg damit bemänteln wollte, daß er unser im Kreise Eschwege- Schmalkalden verbreitetes Flugblatt als den Versuch bezeichnete, einen revolutionären Kandidaten zu unterstützen, macht einen noch kläglicheren Eindruck. Darüber kann niemand im Zweifel sein, daß der Central-Verein es nur für eine patriotische Pflicht hielt, einen Mann wie Raab zu bekämpfen, der in und außer dem Reichstage weit demagogischer zu wirken geeignet ist als Herr Hugo. Auch selbst der entschiedenste Gegner der Sozialdemokratie würde, wenn ihm das Wohl Deutschlands am Herzen liegt, ein noch größerer Gegner eines Antisemiten sein müssen, denn durch einen solchen werden die niedrigsten Instinkte der Massen aufgeregt und wird Deutschland vor dem Auslande geschändet. Dem Vaterlands

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