Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1904-03-01
- Page
- 180 (sequence 8)
- Language
- German
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180 Fm deutschen Reich regiments König Friedrich 1IT. abgewiesen war. Auf Intervention des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat der Kriegsminister erklärt, daß das Verfahren des betreffenden Hauptmanns durchaus nicht gebilligt werden könne. Durch das Generalkommando des VI. Armeekorps sei das Erforderliche veranlaßt worden. Ich weiß, daß der Hauptmann das Recht hatte, Herrn Hauptmann zurückzuweisen; denn Freiwillige werden nur nach Bedarf genommen und wenn sie sich nach jeder Richtung als geeignet erweisen. Bei der persönlichen Vorstellung aber hatte er Herrn Hauptmann sehr freundlich behandelt und als Freiwilligen acceptiert, er wußte damals noch nicht, daß Hauptmann jüdischen Glaubens war. Trotzdem nun der Herr Kriegsminister den Fall gemißbilligt hat, ist mir nicht bekannt geworden, daß Hauptmann durch Korpsbefehl bei diesem oder einem andern Regiment zugelaffen ist. Dieser Fall scheint mir von symptomatischer Bedeutung Zu sein. Auch in Düsseldorf soll es in letzter Zeit einem jüdischen Handlungskommis genau so gegangen sein. Das sind Zustände, die eines Kulturstaates unwürdig sind. Wir leben in einem Kulturstaate. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ihnen allen ist doch der Art. IV der preußischen Verfasiung bekannt. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Nach der Verfassung ist der Genuß der bürgerlichen Rechte unabhängig von dem religiösen Bekenntnis. Sind solche Zustände würdig eines Kulturvolkes? Wir leben in einem Nechtsstaate. Alle Preußen sind vor dem Gesetze gleich. Sind nun aber nicht von fast allen Aemtern unsere jüdischen Mitbürger ausgeschlossen? Hat doch der Justizminister Dr. Schönstedt sich vor einigen Jahren als einzigen weißen Raben bezeichnet; denn er allein stelle noch Juden an. Gibt es Offiziere jüdischen Glaubens in der Armee? Und doch klagt man über Mangel an OffizierenI Alle anderen Kulturländer haben jüdische Offiziere. Der Kollege des Herrn v. Einem in Italien ist ein Jude. Nur zwei jüdische Militärärzte haben wir in der Armee, und doch wissen wir alle, daß wir Mangel an Sanitätsoffizieren haben und daß zu unseren tüchtigsten Merzten viele unserer jüdischen Merzte gehören. Ich glaube, der Herr Kriegsminister täte gut daran, sich an den Erlaß Kaiser Friedrichs III. zu erinnern: ,Hch will, daß der seit Jahrhunderten in meinem Hause heilig gehaltene Grundsatz religiöser Duldung auch ferner allen meinen Untertanen, welchem Bekenntnisse sie angehören, zum Schutze gereiche". Bereits in den Befreiungskriegen haben die jüdischen Soldaten sich ausgezeichnet, und haben in keiner Weise hinter ihren christlichen Kameraden zurückgestanden. Die Juden