Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 10 (1904)
- Issue
- Heft 3 (März 1904)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1904-03-01
- Page
- 161 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316714-2316718--12207-2333067- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 161 jüdischen Wohnhäusern die Fensterscheiben. Am Tage vor dem Beginn des Prozesses hat der Gouverneur Fürst Urussow die Vertreter der Judengemcrnde zu sich berufen und erklärt, daß es ihre patriotische Pfli.v1 sei, sich mit Geldspenden an den Sammlungen für militärische Zwecke zu beteiligen und ihre Guthaben bei der Reichsbank nicht zu kündigen. Die jüdische Bevölkerung Kischinews folgte nicht nur dieser Mahnung, sondern hielt auch einen Bittgottesdienst für den Sieg der russischen Waffen ab. Wie die russischen Inden trotz aller Mißhandlungen ihr Vaterland lieben, davon gibt ein Artikel des führenden Organs der jüdischen Presse in Rußland, des „Woschod", deutlich Zeugnis. Dann heißt es wörtlich: „Groß werden die Opfer sein, dis der Krieg von allen Bürgern des russischen Reiches ohne Unterschied des Glaubens und der Nationalität erheischt. Auch wir, seine Stiefkinder, werden sie freudig auf den Altar des Vaterlandes legen. Rußland ist unser Vaterland. Jüdische Soldaten, Aerzte, Heilgehilfen, alle bis auf den letzten Mann, werden heilig die Pflichten erfüllen, die das Vaterland, mit dem wir durch Geschichte und Schicksal verbunden sind, von uns fordern wird. Wir wollen, soweit es in unseren Kräften liegt, alles ver. gessen, auch unsere Austreibung aus Port Arthur, auch die Greuel von Kischinew und Homel und vieles, vieles andere. Wir werden unsere Schuldigkeit erfüllen nicht blos aus Pssicht, sondern auch aus Liebe. Hoffen wir, daß der gegenwärtige russisch-japanis.he Krieg unftem Vaterlande einen auf gegenseitiger Achtung und Zuneigung aller seiner Völkerschaften begründeten inneren Frieden bringen wird." Worauf dirse Hoffnung sich gründet, ist fckwer zu sagen. Trotz der patriotischen Haltung der russischen Juden hat die russische Regierung ihr Mißtrauen gegen sie dadurch bekundet, daß sie alle Juden aus den Städten an der transsibirischen Eisenbahn aue-gewiesen hat. Mehr als zweitausend Juden sollen dadurch ihre Heimstätten verlorenhaben und, da man ihnen die Benutzung der Eisenbahn zur Fahrt nach dein europäischen Rußland versagte, gezwungen worden seien, meilenweite Strecken zu Fuß zurückzulegen. Zahlreiche jüdische Aerzte. auf dsn Kriegsschauplatz entsandt wurden, sahen sich durch Unterschlagungen um den dritten Teil ihrer Löhnung gebracht;^-und ^1-3% Familien jüdischer Aerzte sind aus Petersburg! Moskau, Markow und Kiew ausgewiesen worden, weil sie dü^ch -vie EwftuvNNg der Familienväter zur russischen Armee in -dcv''Malrdschürü^bLs-"'Recht verloren haben, außerhalb des AnsiedelungsrayvüKM wvbneftl.- ' SölchehandeU der russische Staat seine