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Im deutschen Reich · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. 157

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-03-01
Page
157 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Umschau. 157 halten, durch welche die wichtigsten Arbeiten der Volksvertretung nur aufgehalten und nützliche Reformen verhindert oder doch erschwert werden, deren Beschleunigung gerade im Interesse des Mittelstandes liegt. Die verhängnisvolle Einwirkung des Antisemitismus auf die durch ihn gestörte ruhige Entwickelung der Maßnahmen für die Volks- Wohlfahrt wird aber von den weitesten Kreisen noch unterschätzt und vor die Wahl gestellt, einen Sozialdemokraten oder einen Antisemiten zu einem Reichstagsmandat zu verhelfen, zögern selbst liberale Männer nicht, dem rückschrittlichsten aller Rückschrittler, einem Manne, wie den> Hamburger Maler F. Raab, bei einer Stichwahl ihre Stimme zu geben, oder durch Stimmenthaltung den Sieg zu sichern. Der Ausfall der Wahl in Eschwege-Schmalkalden hat die schlimmsten Befürchtungen gerechtfertigt; der Antisemit Raab ist am 1. März mit einer Mehrheit von 2283 Stimmen gewählt worden. Bei der Hauptwähl am 15. Februar hatte Raab nur 4552, der Sozialdemokrat Hugo 5837 Stimmen, der Kandidat der freisinnigen Volkspartei Mertens 4083, der der Reichspartei und der Nationalliberalen v. Christen 3525 Stimmen erhalten. Das Wahlkomitee für v. Christen forderte, wie zu erwarten war, vor der Stichwahl auf, für Raab zu stimmen; das Komitee für Mertens aber tat — was wir nicht erwartet haben — mindestens indirekt dasselbe! Der Vorstand des Freisinnigen Vereins in Eschwege veröffentlichte die Erklärung: „Für die Stichwahl wird von uns keine Parole ausgegeben, unfern Parteifreunden bleibt es anheimgestellt, nach eigenem Ermessen zu handeln." Entgegen mehreren anderslautenden, namenlosen Aufrufen in dortigen Blättern erklärte der Vorsitzende des Freisinnigen Vereins für Eschwege-Witzenhausen, Georg Hauck, im „Eichweger Tageblatt", daß das Komitee an seiner ursprünglich zur Stichwahl ausgegebenen Parole festhalte, wonach jeder liberale Wähler nach eigenem Ermessen seine Entscheidung treffen solle. Die freisinnigen Lokalblätter gaben dieselbe Parole aus. Der Leitung der Freisinnigen Volkspartei darf für ihr Verhalten das der Sozialdemokraten beiden Berliner Stadtverordneten-Wahlen und in der Stadtverordneten-Versammlung nicht zur Enschuldigung gelten. Der ^Vorwärts", der noch am 26. November dem Antisemiten Prehel vorgeworfen hatte, „hinter den Kulissen die Verwendung, der jüdischen Lehrkräfte in den Gemeindeschulen erfolgreich betrieben zu haben", gab bei der Wahl die für Pretzel günstige Parole „Wahlenthaltung", aus, bezeichnete ein für die Wahl des Leis ausgegebenes Flugblatt als Schwindel und Fälschung und empfahl Herrn Leis, von der Kandidatur zurückzutreten. Selbst nachdem Leis gewählt worden war, beruhigten

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