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Im deutschen Reich · 1904-03-01 · Heft 3 (März 1904) · p. 156

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
10 (1904)
Issue
Heft 3 (März 1904)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1904-03-01
Page
156 (sequence 7)
Language
German
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156 Hm deutschen Reich. sich der Mittelstand zusammenschließe und der Regierung beweise, daß auch er uoch eine Macbt im Staate sei. In dieselbe Kerbe hieb der Staatebürger-Zeitungs-Redakteur Kammer, der eine große Mittelstands. Organisation ankündigte, die zum gewaltigen Sturm anwachsen und alles hinwegfegen werde, was dem Mittelstände noch entgegenstehe. In dieser aufrührerischen Gesellschaft nimmt sich ein „Hoflieferant" aus Potsdam, der Abgeordnete Fröhlich, sonderbar genug aus. Während andere sich aus antisemitischen Beweggründen den Schächtgegnern zugeseüt haben, scheint ihn der Eifer für die von ihm fälsch, lich als Tierschutz angesehenen Schächtverbote dazu verleitet zu haben, sich den antisemitischen MitLelstandsrettern anzuschlreßen. Von diesem Eifer irre geführt, forderte er im Parlament mit besonderer Energie, daß dem Treiben der Warenhäuser ein Ende gemacht werden müsie und war ganz erstaunt, als der Präsident Graf Ballestrem ihn darauf aufmerksam machte, daß „jetzt vom Zuchthause und nicht vom Warenhause" die Rede sei. Wie systematisch das Buhlen der Antisemiten um die Gunst der Handwerker und kleinen Beamten betrieben und damit nebenher die Raffenhetze verbunden wird, zeigte ein „Freisinn und Beamtenschaft" überschriebener Artikel der Staatsbürger-Zeitung, in dem bei Besprechung eines Konflikts des Herrn Dr. Blcchmann mit mehreren Beamten in Kaulsdorf schlechtweg behauptet wurde, dieser Dr. Blochmann gehöre zu den „provozierenden Juden" und „die Juden betragen sich den Beamten gegenüber oft am widerbaarigsten!" Unmittelbar darauf mußte das Blatt folgende Berichtigung aufnehmen: „Ich erkläre hiermit die Angaben der Staatsbürger-Zeitung in dem Leitartikel vom 6. d. Mts. abends bezüglich meiner Konfession fürunrichtig. Ich gehöre, sowie meine sämtlichen Verwandten durch Generationen der protestantischen Kirche an. Dr. Blochmann, Liesenstraße 3, I." Daran knüpft das edle Blatt die seinen Rückzug bemäntelnde Bemerkung: „Zur Beurteilung dieses Falles ist es auch ganz gleichgiltig, ob der mißhandelte und sich gekränkt fühlende Dr. Blochmann Jude ist oder nicht; wir wollten nur die Tatsache konstatieren, daß in ähnlichen Fällen, in denen die Beamten gegen Rohheiten geschützt werden sollten, die angeblich so „beamtenfreundliche" Presse den Kotau vor dem Judentum macht und verleumderische Artikel gegen die beleidigten Beamten in die Welt setzt." Wenn man die parlamentarische Wirksamkeit der antisemitischen Volksvertreter unbefangen beurteilt, sollte man meinen, daß alle Wohlgesinnten sich zusammenschließen müßten, um zu verhindern, daß nicht noch mehr von diesen Unruhstiftern Gelegenheit erhalten, im Reichstage ungestraft zum Fenster hinaus aufreizende Reden zu

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